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Full text of "Philipp de Vigneulle's Yonnet de Mes und sein Verhältnis zur Redaktion N des Romans Anseis de Mes"

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P455 

J28 

1903 

MAIN 


LIBRARY 

OF THE 

University of California. 


GIFT OK 


1/U aast: 

Class 


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Philipp de Vigneulle’s 

Yonnet de Mes und sein Verhältnis zur Redaktion N 
des Romans Anseis de Mes. 


Inaugural - Dissertation 

der 


Men pMlosopteicte FaMät der Dnroreität Greffinalä 


Erlaeguig der philosophischea Doktorwürde 

vorgelegt 

und mit den beigefügten Thesen 


am 

Freitag, den 8. Mai 1903 

Mittags 12 Uhr 
öffentlich verteidigt 
von 

Zacl T a, li. xi 

aus Wandsbeck. 


Opponenten : 

Herr cand. plüL Se-hlprff. 
Herr cand. phil. Krause. 
Herr cand. jur. Kalbe. 


Greifswald. 

Hans Adler, Buchdruckerei. 
1903 . 


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Meinen lieben Eltern. 


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A. Vorwort. 


In dem Schlußteile der von Philipp de Vigneulle 
verfaßten Prosabearbeitung v der Chanson des Lo- 
herains hat uns der Verfasser den Tod Givberts de 
Mes, die Thaten seines Sohnes Yonnet und das Ende 
der Lothringer beschrieben. Ähnliche Fortsetzungen 
der Chanson de Girbert de Mes sind außer im Roman 
von Anseis de Mes noch in der Handschrift M a (die 
sogenannte Vengeance Fromondin) und dem hollän- 
dischen Roman der Lorreinen *) erhalten. Diese letztere 
ausländische Bearbeitung der Lothringer ist nur in 
Bruchstücken vorhanden, die fast alle einer Fortsetzung 
der Chanson angehören, die uns in französischer 
Sprache überhaupt nicht überliefert ist. Den Schluß- 
teil der Handschrift M a hat A. Rudolph **) näher 
charakterisiert und zugleich eingehend analysiert. 

*) De Roman der Lorreinen, nitgegeven door Dr. J. C. 
Matthes, Groningen by J. B. Wolters, 1876, besprochen von E. 
Stengel in der Zeitschrift für roman. Phil. I, 187 ff. — G. Hnet, 
Les fragments de la traduction neerlandaise des Lorrains: Ro- 
mania XXI, 361 ff, cf. E. Stengel im Jahresbericht über die 
Fortschritte der romanischen Philologie III 1 81. — H. Fischer, 
Zwei Fragmente des mittelniederländischen Romans der Lor- 
reinen. Festschrift zur vierten Säcularfeier der Eberhard Karls- 
Universität zu Tübingen. Stuttgart bei Karl Aue 1877. 

**) Alfred Rudolph, Über die Vengeance Fromondin, die 
allein in Handschrift M a erhaltene Fortsetzung der Chanson de 
Girbert de Mes. Marburg, Diss. 1884 (in Ausg. u. Abh. aus d. 
Geb. der rom. Philol. XXXI). 

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Wie er nach weist, hat der sehr unselbständige Ver- 
fasser die Anseisredaktion S als Vorlage benutzt und 
in recht ungeschickter Weise vorauf gegangene Ereig- 
nisse des Girbert, nur auf andere Orte und Personen 
übertragen, wiederholt. Philipp de Vigneulle’s Fort- 
setzung der Chanson de Girbert de Mes bildet den 
Schlußteil seiner im Jahre 1515 verfaßten Prosabe- 
arbeitung der ganzen Lothringer-Geste.*) Diese ist 
uns in 2 Handschriften überliefert, von denen die eine 
mit kostbaren Bildern gezierte sich im Besitze der 
Familie der Grafen von Hunolstein befindet (vormals 
gehörte sie einem Grafen Emmery in Epinal und noch 
früher P. Ferrey, ministre de la R. P. R.), die zweite 
in der Stadtbibliothek zu Metz aufbewahrt wird. In 
letzterer Handschrift ist der Text durch den Verlust 
einer Lage unvollständig (306a — 313) überliefert, aber 
von A. Prost 1849 nach der Hunolsteinschen Hand- 
schrift ebenso wie an anderen Stellen ergänzt (Bl. 
314 — 325). Die Metzer Handschrift hält Prost für 
ein „brouillon autographe,“ die Hunolsteinsche für 

„une mise au net autographe“. Michelant, Böckel 

• 

*) Vgl. Otto Böckel, Philipp de Vigneulle’s Bearbeitung 
des Hervis de Mes (Marburg, Diss 1883) und die im Erscheinen 
begriffene Ausgabe des Hervis de Mes des Herrn Prof. Stengel 
(erste Publikation der neubegründeten Gesellschaft für roman 
Literatur). Desgleichen die Textstellen bei Rudolph, sowie A 
Rhode, Die Beziehungen zwischen den Chansons de geste Hervis 
de Mes und Garin le Loherain und ihre nachträgliche Ver- 
knüpfung durch den Verfasser der Redaktion NT der Geste des 
Loherains. Marburg, Diss. 1881. (Ausg. u. Abh. III); endlich 
die anonyme Publikation sämtlicher Kapitelüberschriften: La 
Chanson de geste de Garin le Loherain mise en prose par 
Philippe de Vigneulles de Metz. Table des chapitres avec les 
reproductions des miniatures d’apres le manuscrit de la chanson 
appartenant a M. le comte d’Hun oistein. Paris, Librairie Henri 
Ledere 1901. 4°. XVI u. 90 S. 


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und der anonyme Herausgeber der Kapitelüberschriften 
der Hunolsteinschen Handschrift sprechen sich im 
selben Sinne aus. Prof. Stengel ist dagegen zu der 
entgegengesetzten Ansicht gelangt, daß nämlich die 
Metzer Handschrift eine von Philipp de Vigneulle 
zum größten Teil selbst an gefertigte, aber an manchen 
Stellen gekürzte, abgeänderte oder ergänzte Abschrift 
der Hunolsteinschen Handschrift darstellt. (S. Vorwort 
zu seiner Ausgabe des Hervis de Mes. Bd. I. Dresden 
1903.) Die von Böckel S. 5 angeführten Vermerke 
deuten allerdings darauf hin, daß auch von dieser 
Handschrift eine Reinschrift angefertigt werden sollte. 
Die fragliche Fortsetzung besteht aus 18 Kapiteln und 
lag mir in einem für Prof. Stengel von 0. Böckel 
angefertigten Abdrucke der Metzer Handschrift vor. 
Ich benenne sie wie schon andere Yonnet. Zu ihr 
bemerkt Philipp selbst (v 306a) : A la lowange de dien le 
pere et de toutte la [sainte] trinite, je Philippe de Vigneulle 
dessus nommes ait eschevis extraicte et compouseis cest deux 
livre precedant nommeis, l’ung de la belle Beaultris fille au 
roy Hutaisse de Thir et l’aultre c’est dez mervilleux fait d’airme 
du Lourain Guerin de Mets du duc Baigue de Bellin son frere 
et de tont leur lignie comme cy devent aveis öy. Non pas que 
je [soie] asseis souffisant ny asseiz saige pour avoir fait une 
telz euvre [ne qu’il soie en cy biaulx tairme] come il deussent 
estre [mi?]. Mais je l’ei seullemant fait pour mon [paissetamps 
et] plaisir. Et pource apres ce fait et que je l’eus eschevis je 
Philippe dessus nommeis ait saichiez retournes revireis et an- 
querir plusieurs ancienne istoire voullume livre et cronicque, 
desirant et appetant pour savoir mon quelle fut la fin du roy 
Gilbert et de Yonnet son filz paireillement de Hernault de Gerin 
et de Malvoisin, et ce jamaix ce esmeust plus la morteile guerre 
laquelle tant de fois ce avoit racommenciet come en la prece- 
dande istoire aveis öy . . . . Or escouteis pour dieu la merveille 
comme le inest la vraye istoire laquelle j’eij mis de rime en 
prouse come enciennement on l’avoit escript et Pei retrait au 
moins malz que j’ei peu de trais ou quaitre ancienne istoire et 

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les remis concordez et joing ensemble en une .... Desgleichen 
v 325a: La quelle histoire je Philippe de Vigneulle cy devant 
nommez la (= ai) retraict mis par chappitre et recuellis de 
plwseurs livres et rime ancienne ainsy come vous aves öys. 

In der nachstehenden Arbeit soll untersucht 
werden, ob sich diese Handschriften oder wenigstens 
eine derselben noch feststellen lassen. Zum besseren 
Verständnis wird eine zusammmenhängende Analyse 
Yonnets vorausgeschickt werden. Auf einen voll- 
ständigen Abdruck von v, den ich geplant hatte, muß 
ich aus Raummangel zur Zeit verzichten und mich auf 
Mitteilung der entscheidenden Stellen beschränken. 

B. Analyse der Hs. v. 

In einer allgemeinen Einleitung deutet der Ver- 
fasser bereits in großen Zügen die Entstehung und 
den Verlauf der Kriege, sowie den schließlichen 
Untergang der beiden sich unaufhörlich befehdenden 
Sippen der Lothringer und Bordelesen an. 

Kapitel I. Eines Tages befindet sich Graf 
Hernaut an dem Hofe des Königs Gilbert in Ais in 
der Gascogne. Die beiden Freunde geben ihrer Freude 
darüber Ausdruck, daß sie jetzt, nachdem Fromondin 
getötet und seine Sippe unterworfen ist, endlich den 
so lange herbeigesehnten Frieden haben werden. Im 
Laufe der Unterhaltung teilt Hernaut seinem Vetter 
mit, daß er seinen bisherigen Wohnsitz Gironville 
Verlassen und mit seinem Weibe Ludie und seinem 
* Sohne Lowis in Lens in Lainoy seinen Aufenthalt 
nehmen werde, dem ehemaligen BesitztumeFromondins. 
Zugleich bittet er Gilbert, ihn in Lens zum Pfingst- 
feste'zu besuchen und seinen Sohn Yonnet mit dort- 
hin zu ^ringen, damit die beiden Jünglinge sich 
kennen lernten und Freundschaft schlössen. Lowis 



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soll an jenem Tage den Ritterschlag erhalten. Gilbert 
nimmt die Einladung an. — Am nächsten Tage reitet 
der Graf nach Lens zurück, wo Ludie ihn freudig 
empfängt. Ihre Freude über die Rückkehr ihres Ge- 
mahls verwandelt sich aber bald in die tiefste Trauer, 
als Hernaut sie über den Tod ihres Bruders Fromon- 
din unterrichtet. Ohnmächtig vor Schmerz bricht sie 
zusammen. Als sie sich wieder erholt hat, schwört 
sie, an seinen Mördern grimmige Rache zu nehmen. 

Kapitel II. Pfingsten rückt heran. Hernaut 
sendet Boten nach Köln an den Hof Gerins sowie 
zum Könige Gilbert, um sie zu den geplanten Feier- 
lichkeiten zu bitten. Gilbert empfängt den Boten 
hocherfreut und verspricht ihm, am nächsten Tage mit 
seinem Sohne Yonnet nach Lens aufzubrechen. Als 
die Königin die Zusage ihres Gatten vernimmt, wird 
sie von bösen Ahnungen ergriffen. Sie fürchtet mit 
Recht, daß ihrem Gemahl von Seiten seiner Todfeindin 
Ludie Unheil drohen wird. Sie bittet ihn daher fle- 
hentlich, von der Fahrt abzustehen. Unwirsch weist 
Gilbert diese Bedenken zurück. Er nimmt herzlichen 
Abschied von der Weinenden und begiebt sich mit 
seinem Sohne, reichlich mit Geschenken versehen, in 
Begleitung von 20 Rittern und vielen Mannen auf die 
Reise. Über Berg und Tal führt sie der Weg durch 
Yermandois, Cambrai und Artois hindurch, bis sie 
eines Morgens in Lens ankommen. Hier wird ihnen 
ein herzlicher Empfang bereitet. Hernaut und König 
Gerin reiten ihnen mit grossem Gefolge entgegen. 
In fröhlichem Turniere zeigen die Ritter zu Ehren 
ihrer Gäste ihre Kunst. Escuier und demoiselles er- 
götzen sich in Tanz und Gesang, Spielleute lassen 
ihre fröhlichen Weisen ertönen. 

Kapitel III. Nur eine hält sich vom allgemeinen 


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Festtrubel zurück — Dame Ludie. Aufgebracht über 
die Ehren, die man König Gilbert erweist, schmiedet 
sie in ihrem Gemache finstere Rachepläne. Nach reif- 
lichem Erwägen glaubt sie, endlich den richtigen Weg 
gefunden zu haben, den verhaßten Feind ihres Ge- 
schlechts zu vernichten. Ihr Sohn Lowis soll ihr zur 
Ausführung ihres Planes behilflich sein. Sie ruft ihn 
zu sich, schildert ihm ihren Schmerz und beschwört 
ihn, die ihrer Sippe angetane Schmach an Gilbert zu 
rächen, der ihren im Walde als Einsiedler lebenden 
Bruder Fromondin getötet hat. Aber ihre Überredungs- 
künste scheitern an dem festen Widerstande des Knaben. 
Er weigert sich entschieden, zum Verräter an dem Vater 
seines Freundes Yonnet zu werden. — Lowis verläßt 
das Gemach -seiner Mutter und sucht Yonnet auf. Auf 
das Herzlichste begrüßen sich die beiden und in fröh- 
lichem Geplauder gehen sie zur Freude der Barone 
miteinander in den Saal. Hier findet ein prächtiges 
Diner statt. Nach demselben setzen sich Gilbert, 
Hernaut, Gerin und Malvoisin zum Schachspiele nieder, 
während die beiden Jünglinge beschließen, eine Beize 
zu veranstalten. Sie besteigen ihre Rosse, nehmen 
Falken zu sich und reiten in Begleitung mehrerer 
Knappen auf die Jagd. Ausgelassen und in froher 
Jugendlust geben sie sich ganz lärmenden Spielen hin, 
die aber plötzlich infolge eines kleinlichen Anlasses 
eine unerwartete, betrübende Wendung nehmen sollten. 
Lowis hatte sich einen zweiten Vogel mitgebracht, den 
er in die Luft warf, um ihn alsdann von seinem Falken 
greifen zu lassen. Als ihm sein Vorhaben mißlang, 
gab Yonnet, ohne sich etwas Böses dabei zu denken, 
seinem Falken die Freiheit, dem es auch glückte, seine 
Beute zu fangen und zu töten. Hierüber gerät Lowis 
in eine maßlose Wut, In schmählichen Worten be- 


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schimpft er seinen Vetter und dessen Sippe. Yonnet 
verhält sich diesen unmotivierten Beleidigungen des 
boshaften Knaben gegenüber ruhig. Ja, um auf alle 
Fälle einen verderbenbringenden Krieg zu vermeiden, 
bittet er seinen Vetter sogar um Verzeihung und bietet 
ihn zum Ersatz für den getöteten Falken seinen eigenen 
an. Als er aber einsehen muß, daß seine Demütigung 
nichts fruchtet, Lowis vielmehr in seinem Starrsinn 
beharrt, packt er in höchster Wut seinen Falken und 
versetzt seinem Vetter mit demselben einen derartigen 
Schlag ins Gesicht, daß der Vogel zerschmettert und 
mit seinem Blute die Wangen Lowis dunkelrot färbt. 
Die Schwerter fliegen aus den Scheiden, im Zwei- 
kampfe schlagen die Erzürnten auf einander ein. Nur 
mit Mühe und Gewalt gelingt es den Begleitern, die 
erregten Jünglinge zu trennen und so noch größeres 
Unglück zu verhüten. — Lowis reitet, sein blutiges 
Antlitz mit dem Mantel verdeckend, nach Haus zu 
seiner Mutter zurück. 

Kapitel IV. Als Ludie von ihrem Sohne hört, 
daß Yonnet ihn so übel zugerichtet hat, bricht sie in 
ohnmächtiger Wut zusammen. Doch bald erholt sich 
das rachedurstige Weib wieder und beginnt von neuem 
ihre Überredungskünste geltend zu machen, um Lowis 
zum Morde an Gilbert aufzuraizen. Jetzt hat sie 
leichtes Spiel. Willig leiht Lowis ihren verräteri- 
schen Plänen Gehör. Er soll den nichtsahnenden 
König im Saale überfallen, töten und dann schleunigst 
zu seiner Mutter zurückkehren, die ihn vor jeder 
Verfolgung schützen wird. — Bachedurstig eilt der 
Jüngling in den Saal. Hier wird er von Gilbert 
freundlich begrüßt; jedoch verharrt er den scherzenden 
Worten des Königs gegenüber in finsterem Schweigen. 
In dem Saale läßt zur selben Stunde ein Spielmann 


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seine munteron Melodien hören. Ritter und Knappen 
lauschen seinen wunderbaren alton und neuen Minne- 
weisen. Diesen Augenblick benutzt Lowis, um seinen 
verbrecherischen Plan auszuführen. Hinterrücks schleicht 
er sich an Gilbert heran und spaltet ihm mit wuchtigem 
Schwertschlage das Haupt. Nach vollbrachter Tat 
entflieht der Mörder schnell und verbirgt sich bei 
seiner Mutter. Doch sein Gewissen läßt ihm keine 
Ruhe. Bittere Reue über die fluchwürdige Tat packt 
ihn, die noch vermehrt wird durch die Angst vor der 
Rache dör Lothringer. Mit harten Worten klagt er 
sich an. Ludie aber weiß ihn bald zu beruhigen, in- 
dem sie ihn darauf hinweist, daß weder Hernaut, noch 
Gerin und Malvoisin ihn im Falle eines Krieges im 
Stiche lassen werden. Dann läßt das energische Weib 
die Tore verbarrikadieren, um jedes Unheil von dem 
Haupte ihres Sohnes abzuwenden. 

Kapitel V. Hernaut, Gerin und Malvoisin, die 
Zeugen des schmählichen Verrates, weinen, nachdem 
sie sich vom ersten Schrecken erholt haben, in tiefer 
Trauer um den ermordeten Helden. Händeringend 
beklagt Hernaut die gemeine Tat, die er dadurch 
sühnen will, daß er den eigenen Sohn erbarmungslos 
Yonnet zur Justiz überliefern will. Doch er allein 
hat nicht über Lowis zu bestimmen, seine Barone 
müssen ihm seine Zustimmung geben. — Der tote 
Ritter wird entkleidet und unter allgemeinem Weh- 
klagen auf eine Bahre gelegt. Geistliche verrichten 
ihre Gebete an der Leiche und bitten Gott, daß er 
die Seele des Königs Gilbert in Gnaden zu sich nehmen 
möge. — Yonnet ist mittlerweile noch auf der Jagd 
mit seinem Knappen Thierey zurückgeblieben. Plötzlich 
dringt vom Palaste unheilverkündender Lärm zu ihm 
herüber. Von bösen Ahnungen ergriffen, sendet er 


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Thiorey ins Schloß, um die Ursache des Geräusches 
zu erforschen. Dieser kehrt nach kurzer Zeit bleich, 
mit verstörtem Antlitz zu seinem Herrn zurück und 
berichtet ihm das Vorgefallene. Kurz entschlossen 
sendet der Jüngling seinen Knappen noch einmal in 
den Palast mit dem Befehl an seine Ritter, die Leiche 
des Königs von der Bahre herabzunehmen und auf 
ihren Lanzen, die Spitzen der Speere nach vorne ge- 
richtet, aus dem Schlosse zu tragen. Dieses zum 
Zeichen, daß er dem verfluchten Mörder Krieg und 
Rache geschworen habe. Thierey geht — und jetzt erst 
überläßt sich Yonnet seinem unsäglichen Schmerze. — 
Die Ritter befolgen den Befehl ihres jungen Herrn 
und tragen die Leiche halb erhoben auf den Lanzen 
zur Stadt hinaus. Ihnen schließen sich tiefbetrübt 
Gerin, Malvoisin und Hernaut an, die um des Friedens 
willen Yonnet um Gnade anflehen wollen. Als dieser 
den Leichnam seines Vaters erblickt, beklagt er bitter 
das Schicksal des Edlen und schwört dem Mörder 
blutige Rache. Jede andere Sühne weist er zurück. — 
Hernaut erweist dem Jünglinge einen letzten Freundes- 
dienst, indem er ihm auf seine Bitte unbehelligten 
Marsch durch sein Land zusichert. Unter allgemeinem 
Wehklagen setzt sich der Trauerzug der Heimat zu 
in Bewegung. Weinend geben auch Hernaut, Gerin 
und Malvoisin dem Toten bis zur Landesgrenze das 
letzte Geleit. Hier läßt Yonnet Halt machen, ruft Her- 
naut zu sich und beschwört ihn bei seinem Leben, 
dieselbe nicht zu überschreiten, da er gegen ihn und 
seine Sippe blutigen Krieg geschworen habe. Trotz- 
dem betrachtet der Jüngling den Grafen noch als seinen 
Freund und mit Handschlag verspricht er ihm, niemals 
an ihm zum Verräter zu werden. Er werde ihm viel- 
mehr durch Boten verkünden, wenn er sich zum Rache- 


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zug anschicken werde, damit Hernaut vorbereitet sich 
in ehrlichem Kampfe 'mit ihm messe. — Tief be- 
wegt kehrt der edle Graf mit den Seinen nach 
Lens zurück. 

Kapitel VI. Als sie hier eintreffen, kommt ihnen 
Ludie entgegen. Sie bereut das Geschehene nicht im 
geringsten, sondern macht ihrem Gemahl vielmehr Vor- 
würfe, daß er Yonnet unbehelligt hat ziehen lassen. 
Nach ihrer Meinung hätte er Yonnet, um den Krieg 
zu vermeiden, für Lebenszeit in den Kerker werfen 
sollen. Als Gerin diese Worte vernimmt, ergreift er 
in seinem Zorn einen Stock, um sie verdientermaßen 
zu züchtigen. Die Barone schützen jedoch ihre Herrin 
und halten den König zurück, der die Friedensstörerin 
mit Beleidigungen überschüttet. Ohne sie weiter zu 
beachten, gehen die Bitter dann in den Palast. — 
Yonnet und die Seinen sind mittlerweile nach mühe- 
vollem Bitte bis zur Abtei St. Mihiel gekommen. Hier 
machen sie Bast, um zu übernachten. Auf den Bat 
seiner Freunde läßt Yonnet hier die Leiche seines 
Vaters öffnen und einbalsamieren. Am nächsten Morgen 
setzen sie die Beise fort bis sie Terrasgonne erreichen, 
von wo sich die Kunde von dem Geschehenen wie ein 
Lauffeur über Stadt und Land verbreitet. Groß und 
klein beklagen den Verlust ihres guten Landesherrn, 
als ob ihnen der eigne Vater gestorben wäre. Die 
Leiche wird in den Dom gebracht, wo dem Könige 
die letzten kirchlichen Ehren unter feierlichen Cere- 
monien erwiesen werden. Als die Königin den Toten 
erblickt, bricht sie ohnmächtig über der Leiche zu- 
sammen. Vergeblich ist das Bemühen der anwesenden 
Fürsten und Barone, sie zu trösten. Vor Schmerz 
ist sie der Verzweiflung nahe. Y r onnet wird beim 
Anblick seiner Mutter von tiefem Mitleid ergriffen und 


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klagt seinerseits das unglückliche Geschick an, das ihm 
in Zukunft Krieg über Krieg bringen wird. Nach der 
Beisetzung des grossen Toten, die sich unter allen 
Ehrenerbietungen vollzieht, die seinem Range ziemen, 
kehrt Yonnet in den Palast zurück. 

Kapitel VII. Hier versammelt der junge Fürst 
seine Barone zum Rate. Mit Tränen in den Augen 
führt er ihnen das Aussichtslose seiner Zukunft vor 
Augen, da er weder Verwandte noch Freunde habe, 
die ihn mit Rat und Tat unterstützen könnten. Darum 
wolle er „comme powre chetif et malheureux“ seine 
Heimat verlassen, um in fernen Landen sein Glück 
zu versuchen. Einstimmig mißbilligen seine Ritter 
jedoch diesen Entschluß und ermahnen ihn, unverzagt 
in die Zukunft zu blicken. Aus eignen Mitteln wollen 
sie ihm 1000 Wohlbewaffnete zur Verfügung stellen. 
Freudig dankt Yonnet ihnen für ihren guten Willen. 
Doch was nützt ihm diese kleine Schar gegen die 
Heeresmacht der Feinde? Da erinnert er sich seines 
Paten des alten Königs Anseis von Köln, der ein er- 
probter Freund seines Vaters war. Er schlägt den 
Baronen vor, ihn um Hilfe in der Not zu bitten. 
Freudig stimmen alle dem guten Vorschlag bei. 

Kapitel VIII. Yonnet wählt zwei besonders 
tüchtige Ritter aus, die er an den Hof des Königs An- 
seis schickt: Guillon und Hanry sind sie genannt. Er 
giebt ihnen die erforderlichen Verhaltungsmaßregeln, 
überreicht ihnen einen für seinen Paten bestimmten 
Brief und entläßt sie. Die beiden Gefährten machen 
sich sogleich auf den Weg, durchziehen Viennois, 
Burgund und Lothringen und kommen, nachdem sie 
die Ardennen überschritten haben, wohlbehalten in 
Köln an. Im Königsschlosse treffen sie bei Anseis auch 
Gerin, der im Aufträge Hernauts gekommen ist, um 


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gleichfalls um Hilfe zu bitten. Hanry entledigt sicli 
seines Auftrages mit großem Geschick, indem er dem 
Könige die trostlose Lage Yonnets schildert und ihn 
bittet, die dem Vater gehaltene Freundschaft auch auf 
den Sohn zu übertragen. Dann überreicht er den 
Brief seines Herrn, den der König erbricht und von 
einem Sekretär vorlesen läßt. Yonnet stellt in dem 
Schreiben den Sachverhalt so ergreifend dar, daß dem 
Leser die Tränen aus den Augen stürzen. Als der 
augenblicklich anwesende Bischof von Liege den Be- 
richt hört, rät er dem Könige aufs Eindringlichste, 
seinem Patenkinclo zu helfen. Gerin wird durch den 
Rat des Bischofs so aufgebracht, daß er zum Schwerte 
groift und auf ihn einschlagen will. Zum Glück wird 
er von den Rittern zurückgehalten. Der mutige Geist- 
liche läßt sich hierdurch jedoch nicht beirren, sondern 
giebt klar und offen seine ehrliche Meinung kund. 
Er weist den König auf die heilige Schrift hin, die es 
ihm zur Pflicht mache, das dem Vater bei der Taufe 
gegebene Versprechen zu halten und die Rechte seines 
Patenkindes zu verteidigen. Anseis schließt sich dem 
Wunsche seiner Barone an und beschließt Yonnet mit 
30 000 Mann zu Hilfe zu eilen. Dankbar fallen Guil- 
lon und Hanry ihm zu Füßen. — Da ihn nach 
seinem Mißerfolge nichts mehr hält und seine An- 
wesenheit nur böses Blut erregen würde, verläßt Gerin 
das Schloß und begiebt sich in die Stadt. In seinem 
Logis angekommen, ruft er den Wirt zu sich, den er 
überredet, am nächsten Morgen die Gesandten Yonnets 
aufzusuchen und ihnen zwei frische Pferde zum Er- 
satz für ihre eigenen, durch die Reise arg mitge- 
nommenen Rosse anzubieten. Den Namen des Spen- 
ders solle er jedoch auf jeden Fall verschweigen. Der 
Wirt tut wie ihm geheißen und versucht, den beiden 


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Gesandten die Pferde aufzuschwatzen. Diese schöpfen 
aber sogleich Verdacht und erraten richtig die Her- 
kunft der Pferde. Entrüstet weisen sie daher das Ge- 
schenk ihres Feindes zurück, um sich nicht durch die 
Annahme desselben zu entehren. Unverrichteterweise 
kehrt der Wirt beschämt zurück. König Gerin ist 
hocherfreut über die Charakterfestigkeit der Boten. 
Zugleich entlockt ihm aber der Gedanke, gegen die 
gerechte Sache Yonnets zu Felde ziehen zu müssen, 
heiße Tränen. Noch zur selben Stunde tritt er mit 
seinen Begleitern über Treis, Nivelle, durch Henne- 
gau hindurch den Rückzug nach Haus an. 

Kapitel IX. In der Heimat wird Gerin von 
Hernaut und seinen Angehörigen empfangen, denen 
er die unerfreuliche Nachricht überbringt, daß Anseis 
sein Patenkind mit einer Armee von 30000 Mann 
unterstützen wird. Der Anblick Ludies bringt ihn in 
Wut. Er verwünscht die Stunde, in der Hernaut sie 
zum Weibe nahm und verflucht zugleich den Krieg, 
der die Blüte der kriegerischen Jugend hinwegraffen 
und ihm selbst vielleicht den Tod bringen wird. — 
Hernaut hört trüben Sinnes alles an. Da ihm sein 
Herz sagt, dass er nicht lebend aus dem Kriege zu- 
rückkommen wird, schlägt er Gerin vor, nach Paris 
zu reisen und dort seinen Sohn Lowis vom Könige 
Pipin zum Ritter schlagen zu laßen. Ohne Verzug 
treten sie die Fahrt an. 

Kapitel X. Am Hofe werden sie von dem 
alten weißbärtigen Könige empfangen, dem sie de- 
mütig ihr Anliegen vortragen. Als Pipin aber von 
dem an seinem Freunde Gilbert begangenen schmäh- 
lichem Verrate hört, gerät er außer sich und verflucht 
den Mörder. Höhnisch weist er das Verlangen, den 
Verräter zum Ritter zu schlagen, zurück und fordert 


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sie unter Androhung eines schimpflichen Todes auf, 
sofort den Hof zu verlassen. Ohne Abschied und tief 
beschämt treten die Ritter die Rückreise an. In der 
Heimat kommt ihnen Ludie entgegen, die ihren Ge- 
mahl mit Fragen über den Verlauf der Reise bestürmt. 
Hernaut teilt ihr den bösen Empfang am Hofe und 
die Weigerung des Königs mit. Er verwünscht den 
unheilvollen Krieg, der unabsehbares Elend über sein 
Land und Volk bringen wird. Das energische Weib 
sucht ihm die quälenden Gedanken zu verscheuchen, 
indem sie ihm einen bisher verborgen gehaltenen 
Schatz zur Verfügung stellt, aus dessen Mitteln sie 
ein starkes Heer an werben will. 

Kapitel XI. In rastloser Tätigkeit macht sich 
Ludie sogleich an ihr Werk. Bis in die entlegensten 
Gegenden von Artois und Flandern lassen ihre Boten 
den Werberuf erschallen. Von allen Seiten strömen 
Krieger in Scharen herbei, sodaß sich nach 14 Tagen 
schon über 20000 Bewaffnete in den Mauern der 
Residenz Lens eingefunden haben. Bald stellen sich 
auch die Verwandten und Freunde des alten Frömont 
ein, sodaß Hernaut jetzt über eine Armee von 40000 
Mann verfügt. Triumphierend rühmt sich Ludie ihres 
Werkes. Dem Könige Anseis und seinem ihr so ver- 
haßten Patenkinde droht sie einen schimpflichen Tod. 
— Bald nach der Abreise Gerins von Köln verlassen 
auch die Gesandten Yonnets den Hof des Königs, um 
ihren sehnsüchtig der Antwort harrenden Herrn nicht 
länger in Ungewißheit zu lassen. Hocherfreut ver- 
nimmt Yonnet die willkommene Botschaft und dankt 
Gott für die Hilfe in der Not. Durch die bereitwillige 
Unterstützung der Verwandten seiner Mutter gelingt 
es ihm, eine Armee von 30000 Mann aufzubringen. 
Nach herzlichem Abschiede von seiner Mutter bricht 


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er mit seinem Heere zum Marsche auf und erreicht 
nach einigen Tagemärschen Dijon, die alte Residenz 
der Burgunderherzöge. Hier schließt sich ihm Amau- 
reis, ein Verwandter seiner Mutter, mit einem 10000 
Mann starken Heere an. Am nächsten Morgen mar- 
schieren sie vereint weiter und nehmen ihren Weg 
durch Lothringen hindurch nach St. Michiel in Barrois. 

Kapitel XII. In einem kleinen Kastelle in der 
Stadt nehmen Amaureis und Yonnet Quartiere. Das 
Heer wird in einem Zeltlager an der Maaß unterge- 
bracht. Da die Soldaten von dem weiten Wege er- 
müdet sind, und der Weitermaisch infolge des sich 
hoch auftürmenden Gebirges sehr beschwerlich werden 
würde, beschließt man, hier König Anseis und seine 
Mannen zu erwarten. Yonnet entsendet Boten nach 
Köln, um den König von diesem Plane in Kenntnis 
zu setzen. Die Gesandten nehmen ihren Weg durch 
das wildromantische Ardennenland hindurch und 
kommen nach 5 Tagereisen in Köln an, wo sie sogleich 
ihren Auftrag ausrichten. Anseis hat bereits alle Vor- 
bereitungen zum Kriege getroffen. Seine Armee ist 
marschbereit und mit Waffen und Lebensmitteln vor- 
trefflich versehen. Unter der Führung der beiden 
Boten Yonnets kann man daher ohne Verzögerung 
aufbrechen. Nach beschwerlichen Märschen kommt 
das stattliche Heer wohlbehalten in St. Michiel an, 
wo Yonnet seinen hilfsbereiten Paten in Dankbarkeit 
herzlich begrüßt. Noch am selben Tage erteilt An- 
seis dem Jünglinge den Ritterschlag. Am nächsten 
Morgen verlassen die vereinigten Armeen die Stadt 
und nehmen ihren Weg durch Vermandois hindurch 
über St. Quentin nach Arras. 

Kapitel XIII. Eingedenk seines Hernaut beim 
Scheiden gegebenen Versprechens, sendet Yonnet im 


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16 


Einverständnisse mit seinem Paten dem Grafen von 
hier aus seine beiden erprobten Gesandten mit der 
Nachricht, daß er am nächsten Tage den Kampf er- 
öffnen werde. Mit Geschick entledigen sich diese 
ihrer Aufgabe. Wohlvorbereitet, aber schweren Her- 
zens sieht Hernaut dem Kampfe entgegen. — Nach 
der Rückkehr der Boten läßt Yonnet zum Sammeln 
blasen und rückt von Arras aus dem Feinde mit 
fliegenden Standarten entgegen. An einem Berge in 
der Nähe von Lens, La Gohelle genannt, stellen die 
Verbündeten ihre Heere auf. 

Kapitel XIV. Als Hernaut von der Höhe seines 
Palastes aus die Fahnen der Gegner im Winde flattern 
sieht, erschrickt er über die Stärke der feindlichen 
Heereshaufen. Jammernd verwünscht er seinen Sohn 
Lowis, dessen verräterische Tat unabsehbares Elend 
über sein Land und Volk bringen wird. Dann läßt 
er sein Heer zu den Waffen rufen. Hörner erschallen 
in den Straßen der Stadt Lens, alles bereitet sich in 
kürzester Zeit zum Kampfe vor. Ein Heer von 40000 
Mann ergießt sich aus den Toren der Stadt auf das 
offene Feld. 700 Ritter aus der Verwandtschaft Fro- 
monts bleiben im Schlosse zum Schutze Ludies und 
ihres Sohnes zurück. Auf einem prächtigen Rosse 
reitet Hernaut den Seinen voran. In einer Ansprache 
fordert er sie auf, tapfer zu kämpfen, indem er ihnen 
zugleich verspricht, daß er, falls er am Leben bleiben 
sollte, ihnen all sein Hab und Gut zur beliebigen 
Verwendung überlassen werde. Auf beiden Seiten 
rückt man zum Angriffe vor. Hernaut hat sein Heer 
in 3 Kolonnen eingeteilt, Yonnet stellt 4 Heerhaufen 
auf. Es entspinnt sich ein furchtbares Handgemenge. 
Die Erde erzittert von dem ohrenbetäubenden Lärme. 
Schon nach kurzer Zeit bedecken viele Tote das Feld. 


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Man sollte glauben, Heiden wüten zu sehen, und doch 
sind es Angehörige einer Nation, ja gar Freunde und 
Verwandte, die dort miteinander kämpfen! — Be- 
wunderungswürdig schlagen sich die Mannen des 
Königs Anseis. Hernaut muß wohl oder übel vor 
ihnen weichen. Doch mutig und voll Zorn stürzt 
er sich von neuem in die feindlichen .Reihen. Er 
trifft auf König Anseis, dem er mit einem gewaltigen 
Schwertstreiche den Kopf spaltet, so daß er tot vom 
Pferde fällt. Mit lauter Stimme ruft Hernaut den 
Seinen zu, niemand zu schonen. Den besten Ritter 
der Feinde habe er erschlagen, mit den übrigen würden 
sie leichtes Spiel haben. Die Alemannen geraten in- 
folge des Todes ihres Königs in Verzweiflung, sie 
wollen das Feld räumen. Als Yonnet hiervon Kunde 
bekommt, eilt er sofort hinzu und fordert die Ab- 
trünnigen auf, den Tod ihres Fürsten zu rächen. Sein 
Bemühen ist vergeblich, die Treulosen sind ihrem 
Könige Anseis willig gefolgt, Yonnet gegenüber fühlen 
sie sich nicht mehr verpflichtet. — Wütend kehrt 
Yonnet ihnen den Rücken und sucht sich einen Weg 
durch die dichtesten Scharen der Feinde hindurch. 
Er findet sich plötzlich vor der Leiche des Königs 
Anseis. Bitter beklagt er seinen Paten, der für ihn 
in den Tod gegangen ist und schwört, ihn zu rächen. 
Dann gibt er seinem Rosse die Sporen und sprengt 
auf Hernaut zu, dem er mit einem gewaltigen Schlage 
Schild und Halsberg zerschmettert, sodaß er vom 
Pferde stürzt und tot zu Füssen des jungen Helden 
hinfällt. Die gegenseitige Erbitterung nimmt immer 
mehr zu. Den Tod Hernauts zu rächen, stürzt sich 
Malvoisin auf Yonnet. Tapfer hält dieser dem mutigen 
G-egner stand, den viele Verwandte Fromonts tatkräftig 
unterstützen. Dieser Übermacht wäre Yonnet sicher 

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unterlegen, wenn ihm nicht seine Landsleute zu Hilfe 
gekommen wären und ihn aus der Gefahr befreit hätten. 
Diese bitten ihn jetzt inständig, vom Kampfe abzu- 
lassen und nach Arras zurückzukehren, da nach Ab- 
zug der Alemannen sie den Gegnern durchaus nicht 
mehr gewachsen seien. Unwillig weist Yonnet dieses 
Ansinnen zurück. Er will entweder Rache für Gilbert 
und Anseis nehmen, oder selbst tot auf dem Felde 
bleiben. — Er erblickt Gerin und reitet ihm wutent- 
brannt entgegen. Gerin wird von ihm zwar verwundet 
schlägt dann aber in seinem Zorn derartig auf den 
Jüngling ein, dass er ihm sicherlich das Haupt zer- 
schmettert hätte, wenn ihn nicht sein unzerstörbarer 
von Feen angefertigter Helm geschützt hätte. Durch 
rechtzeitiges Eingreifen der Seinen wird der junge 
Held zum zweiten Mal gerettet. — Im weiteren Ver- 
lauf des Kampfes gerät er mit Malvoisin zusammen, 
den er beim ersten Anlaufe niederschmettert. Bis auf 
das Kinn spaltet er dem tapferen Bitter den Schädel. 
Als er den edlen Toten zu seinen Füßen liegen sieht, 
ist ihm seine Tat leid. Er rühmt die guten Eigen- 
schaften des Gefallenen, dessen Seele er weinend der 
Gnade Gottes des Schöpfers empfiehlt* Gerin hat das 
Ende Malvoisins mit angesehen- Schimpfend dringt 
er auf Yonnet ein, der unter den Feinden wie ein 
Todeqengel wütet. Zum zweiten Male messen sich 
die Helden im Zweikampfe. Sie sind einander voll- 
kommen gewachsen, keiner gewinnt Oberhand über 
den andern. Da ruft Gerin seine Ritter herbei, denen 
er sein ganzes Hab und Gut für den Fall verspricht, 
daß sie Yonnet lebend in seine Hände liefern. Über 
300 Verwandte Fromonts stürzen sich auf den Jüng- 
ling, der sich wie ein Löwe verteidigt, obwohl er aus 
mehr als 15 Wunden blutet. Einer solchen Übermacht 


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muß auch der Tapferste und Stärkste auf die Dauer 
unterlegen. Im Augenblicke der höchsten Not kommt 
ihm Amaureis mit 1000 Rittern zu Hilfe. Es gelingt 
dem tapferen Herzoge von Dijon zwar, seinen jungen 
Freund zu befreien, er selbst fällt aber in dem wilden 
Handgemenge. — Der Tod seines Verwandten bringt 
den schwerverwundeten Yonnet der Verzweiflung nahe. 
Willig leiht der Entmutigte jetzt den eindringlichen 
Bitten seiner Ritter Gehör und gibt den aussichtslosen 
Kampf auf. Grollend zieht er mit seinem Heere in 
die Mauern der Stadt Arras zurück. 

Kapitel XV. König Gerin bleibt als Sieger 
auf dem Schlachtfelde. Unter welchen Verlusten hat 
er aber seinen Erfolg errungen! Seine nächsten Ver- 
wandten, seine besten Freunde haben ihr Leben lassen 
müssen. Graf Hernaut liegt tot auf dem Wahlplatze, 
neben ihm der tapfere Malvoisin. Tiefbetrübt läßt 
Gerin die beiden Leichen nach Lens in den grossen 
Dom bringen, wo ihnen die letzten kirchlichen Ehren 
erwiesen werden. Die Ritter und Bürger der Stadt 
weinen in aufrichtiger Trauer um die Edlen. — Unter 
den Klagenden befindet sich auch Dame Ludie. An 
der Leiche ihres Ehegemahls bricht sie bewußtlos 
zusammen. Der Anblick des Toten wirkt nieder- 
schmetternd au f & e Schuldbewußte und giebt ihrem 
Übermute den letzten Stoß. — In König Gerin er- 
wacht von neuem der Haß gegen die Anstifterin alles 
Unheils. In wilden Flüchen verwünscht er sie in die 
HöHe, die den Tod der edelsten Helden, den Unter- 
gang der Blüte der kriegerischen Jugend auf dem 
Gewissen hat! An Ort und Stelle übt er Justiz an 
der Verräterin,, indem er ihr mit dem Schwerte das 
Haupt spaltet. Dann wird sie an der Seite ihres 
Gatten beigesetzt. — König Gerin begiebt sich in das 

2 * 




20 


Schloß, wo er Lowis zu sich kommen läßt. Um den 
Schrecken des Krieges, die genug der Opfer gekostet 
haben, ein Ende zu machen, redet er dem Jünglinge 
gehörig ins Gewissen. Er fordert ihn auf, Yonnet 
die Hand zur Versöhnung zu bieten. Widerstrebend 
giebt Lowis schließlich zur großen Freude der Barone 
dem Drängen seines Onkels nach. 

Kapitel XVI. Gerin entsendet einen Gesandten 
nach Arras an Yonnet. In geziemender Weise begrüßt 
der Bote den jungen Fürsten und teilt ihm den Zweck 
seines Kommens mit. Er berichtet, daß Lowis sich 
demütig unterwerfen will und geneigt ist, Abbitte zu 
tun. Yonnet giebt seinem Erstaunen über diese Mit- 
teilung Ausdruck. Wie soll er mit dem Manne Frieden 
schließen können, der seinen Vater ermordet hat und 
dessen Verwandte ihn in der Feldschlacht seiner 
besten Freunde beraubt haben? Der Bote bittet ihn, 
nicht nur an die Toten zu denken, sondern vor allen 
Dingen den Lebenden gerecht zu werden. Auch Lo- 
wis habe bittere Verluste zu beklagen, zumal Gerin 
ihm die Mutter getötet habe, um den Tod Gilberts zu 
rächen. Durch diese Mitteilung wird Yonnet versöhn- 
licher und dem Frieden geneigter gestimmt, zumal 
eine Fortsetzung des Kampfes für ihn von recht 
zweifelhaftem Erfolge sein würde, da sein Heer durch 
die starken Verluste sehr geschwächt war. Er entläßt 
daher den Boten mit dem Aufträge an König Gerin, 
ihm zwecks Abschluß des Friedens entgegenzukommen. 
— Hocherfreut vernimmt Gerin die willkommene Bot- 
schaft und bricht sofort mit Lowis in Begleitung von 
einigen Bittern gen Arras auf. An dem Berge la Go- 
helle machen sie Halt. Von hieraus können sie schon 
in der Ferne Yonnet und seine Bitter erblicken. Gerin 
gibt seinem Neffen die nötigen Verhaltungsmaßregeln. 


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Auf sein Geheiß steigt Lowis von seinem Rosse ab und 
entkleidet sich völlig bis auf das Hemd. In die rechte 
Hand nimmt er das blanke Schwert. Als Yonnet her- 
annaht, geht er ihm entgegen und wirft sich ihm zu 
Füßen nieder, sich ganz in die Gnade oder Ungnade 
seines Verwandten gebend. Mit tränenden Augen, ein 
Bild des Jammers, bittet er um Verzeihung. Yonnet 
wird durch den Anblick des sich Demütigenden so ge- 
rührt, daß ihm die Tränen die Wangen netzen. Er 
steigt gleichfalls vom Pferde ab und geht mit offenen 
Armen auf Lowis zu, ihn herzlich umarmend und 
küssend. Es ward alles vergeben und vergessen, was 
sie einander Leids getan: der Friede war wiederher- 
gestellt. — Yonnet bittet bei dieser Gelegenheit Gerin 
um die Erlaubnis, die Leiche des Königs Anseis vom 
Schlachtfelde holen zu dürfen, um sie nach Lens zu 
bringen und ihrem Stande gemäß mit allen könig- 
lichen Ehren in dem Dome beizusetzen. Gerin gibt 
seine Zustimmung und verspricht ihm ein ehrenvolles 
Geleit. 

Kapitel XVH. Nach dem Friedensschlüsse 
kehren alle Beteiligten in ihre Heimat zurück. Yonnet 
zieht mit den Seinen nach Köln, da ihm durch Erb- 
folge die Besitzungen des Königs zugefallen sind. — 
Gerin verläßt, einer göttlichen Eingebung folgend, 
seine Heimat, um in einem fernen Lande den Rest 
seines Lebens Gott und dem Heile seiner Seele zu 
widmen. Er ist des ewigen Kriegführens müde ge- 
worden und will nichts mehr mit der Welt und ihrer 
Schlechtigkeit zu tun haben. Niemals wieder, so hat 
er geschworen, will er sich in die Angelegenheiten 
seiner Freunde oder Verwandten mischen. In einem 
großen, an einem Meere gelegenen Walde nimmt er 
seinen Aufenthalt und beschließt, hier zu leben und 


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zu sterben. Nachdem König Gerin ungekannt und 
allein in der Einsamkeit eine geraume Zeit gelebt hat, 
greift ein merkwürdiges Ereignis von neuem entscheidend 
in sein Leben ein. Eines Nachts hat er einen wunder- 
baren Traum. Ein Adler steigt zu ihm aus den Lüften 
herab, der ihn auffordert, am nächsten Tage sich nach 
Köln zu begeben und sich dort verkleidet unter das 
Volk zu mischen: Wunderbares würde er schauen! 
Gerin tut, wie ihm geheißen, und macht sich, im Ge- 
bete gestärkt, auf die Reise nach Köln, in diesen 
Mauern mittlerweile von neuem der Kampf entbrannt 
ist. — Die Ursache des neuen Zwistes ist folgende: 
Lowis beschließt eines Tages, mit seinen Rittern 
seinen Vetter Yonnet, den er seit langem nicht mehr 
gesehen, in Köln zu besuchen. Hier trifft er mit den 
Mannen Yonnets, die gerade von der Jagd kommen 
und ihrem Herrn vorangeeilt sind, auf einer Brücke 
zusammen, wo es zu einem Gedränge zwischen den 
beiden Parteien kommt, das schließlich in ein Hand- 
gemenge ausartet, in dem ein Knappe Yonnets getötet 
wird. Es entspinnt sich ein wilder Kampf, ohne daß 
sich die Gegner erkennen. Lowis hat besonders 
schwere Verluste zu beklagen. Um das Verderben 
von den Seinen abzuwenden; besteigt er sein Schlacht- 
roß und stürzt sich selbst in die Schar der Feinde, 
unter denen er schrecklich wütet. Mittlerweile kommt 
auch Yonnet von der Jagd zurück, der, sobald er von 
dem Kampfe mit den Fremden hört, gleichfalls tätig 
eingreift, jedoch hinterrücks von einem der Mannen 
seines Vetters erschlagen wird. Tiefbetrübt vernimmt 
Lowis die Nachricht von dem unglücklichen Ende des 
Tapferen, sich selbst verfluchend. Um der Rache der 
in ihrem Schmerze rasenden Feinde zu entgehen, ent- 


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flieht er nach Metz, wo er, ohne sich zu erkennen 
zu geben, bei einem Bürger Quartier nimmt. 

Kapitel XVIII. Gerin war zu der Stunde in 
Köln, als Yonnet den Todesstoß erhielt. Jammernd 
beweint der edle König den Tod des geliebten Jüng- 
lings, des letzten Lothringers. Er schwört Lowis, 
in dem er den Urheber dieses neuen Verbrechens 
sieht, Rache. Mit seinem Leben soll der Friedens- 
störer seine Frevel büßen, damit endlich wieder Ruhe 
und Ordnung in das Land kommt. Nachdem Yonttet 
am folgenden Tage feierlich und prächtig, unter der 
Beteiligung der ganzen Bevölkerung beigesetzt worden 
war, wurde grausame Justiz an dem Mörder geübt. — 
Nach der Hinrichtung verläßt Gerin Köln und bricht 
gen Metz auf, wo er an einem Freitage ungekännt 
und verkleidet ankommt. Auf einem Hofe entdeckt 
er Lowis, der neben einem schönen Pferde steht, dem 
er Hals und Mähne streichelt. Nachdem Gerin sich ver- 
gewissert hat, daß niemand ihn beobachtet, geht er 
auf seinen Neffen zu und gibt sich ihm zu erkenneU, 
indem er ihm zugleich furchtbare Anklagen und Vor- 
würfe entgegenschleudert. Mit seinem Pilgerstabe 
schlägt er ihn dann tot zu Boden nieder. Dann be- 
steigt er das auf dem Hofe stehende Pferd und reitet 
zum Dome der Stadt. Hier trifft er viele Bürger, 
denen er den Verlauf der Streitigkeiten zwischen 
Lothringern und Bordelesen vom Anfang bis zum 
Ende erzählt. Er ordnet an, Lowis an der Seite des 
Herzogs Hervis in St. Arnoulf beizusetzen. Desgleichen 
soll die Leiche des Königs Gilbert von Ais nach Metz 
gebracht werden, damit auch er in der Heimat seiner 
Väter die letzte Ruhestätte findet. 

Hiermit hat der alte Kriegsheld seine Mission 
erfüllt. Er nimmt Abschied von den Bürgern und 


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kehrt in vielen mühseligen Tagesreisen in den Wald, 
von dem er gekommen, zurück. Kein Mensch kannte 
seinen Aufenthaltsort. Niemals hat man wieder etwas 
von ihm vernommen. 

C. Quellenuntersuchung. 

I. N, v: S, U, L. 

Philipp de Vigneulle sagt zwar wiederholt (v 306a, 
325a), daß er in seinen Mußestunden aus alten „istoires, 
voullumes, livres et cronicques“ den Stoff zu seinem 
Roman geschöpft und „au plus pres de la verite“ aus 
Versen in Prosa umgegossen habe; er erwähnt aber 
nicht, welche Fassungen des alten Lothringercyklus 
er der Bearbeitung unterzogen hat. Für Hervis de 
Mes hat ihm, wie Böckel nachgewiesen hat, die Hand* 
schrift E oder deren Vorlage als Quelle gedient. Für 
Yonnet kann dieselbe nicht in Betracht kommen, da 
weder Handschrift E noch die ihr zunächst stehenden 
Handschriften etwas Entsprechendes bieten. Auch die 
E im großen und ganzen nahestehende Handschrift M 
oder deren Vorlage kann Philipp nicht benutzt haben, 
da deren Fortsetzung, wie Rudolph nachgewiesen hat, 
auf der Redaktion S des Anseis beruht und wie diese 
wesentliche Verschiedenheiten von Philipp de Vig- 
neulle ’s Darstellung aufweist. 

Eine Vergleichung Yonnets mit den uns erhaltenen 
Handschriften der Chanson d’Anseis de Mes soll nun 
zeigen, daß die Handschrift N oder deren Vorlage 
seine Quelle gebildet hat. 

Vom Anseis de Mes sind uns folgende Hand- 
schriften bekannt: 

L, Pariser Nationalhandschrift 24377 (La Vall. 60 
oder 2728). 


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TJ, Cod. Yat. Urbin. 357; Rom. 

S, Pariser Nationalhandschrift 4988. 

N, Pariser Arsenalhandschrift 181.*) 

A, 3 Bruchstücke einer von P. Goffinet und Wilmotte 

in Arlon (Belgien) gefundenen und von Prof. E. 

Stengel 1895 abgeschriebenen Handschrift.**) 

a, Pariser Arsenalhandschrift 218a. 

b, Brüsseler Handschrift No. 9.***) 

1. Nach v 306a waren der Ehe Hernauts mit 
Ludie mehrere Kinder entsprossen, von denen aber 
nur noch ein Knabe Lowey am Leben ist: 

Le conte Hernault avoit heu. de dame Ludie sa ferne 
plusieur anffans. De tout lezquelle ne luy avoit demoureis 
pour tous hoirs que ung filz nommeis Lowey. 

v schließt sich hierin genau an die Redaktion 
N des Anseis de Mes 139d 36 an, die auch nur den 
einen Sohn Hernauts, Loeys, kennt: 

N: Mais de sa mort ne de son grant peril 
Ne se prant garde Girbers li filz Garin 
Du filz Hernaut qui estoit son cousin. 

*) Abschriften der Handschriften S, L und N (sämtlich 
von Herrn Oberlehrer Harff angefertigt) und eine teilweise Ab- 
schrift von U (von A. Monaci für Prof. E. Stengel ausgeführt) 
stellte mir Prof. Stengel für meine Untersuchung zur Verfügung. 

**) Vergleiche die Notizen von A. Doutrepont in Le 
Moyen-Agc 1889 n° 4 S. 79 fi. Das erste Bruchstück A 1 beginnt 
L 1 52b 33, S 275a 1, N 177c 8; das zweite A s : L 156a 9, S 277c 33, 
N 179a 20; das dritte A 3 : L 16la 1, S 28lb 22, N 181c 16. 
A 1 und A 3 bilden Blatt 1 und 8, A J (ein Doppelblatt) Blatt 4 
und 5 derselben Lage ein und derselben Handschrift. Da diese 
Bruchstücke späteren Teilen des Anse’is angehören, haben sie 
für die folgende Untersuchung kein weiteres Interesse. 

***) Vergleiche zu a Feist’s Dissertation, die feststellt, 
dass a auf der Version S beruht. Über b liegt noch keine 
specielle Arbeit vor; diese Prosahandschriften kommen aber für 
uns nicht in Betracht, da Philipp besonders betont, dass er nur 
aus alten Reimdichtungen geschöpft hat f 


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39. Cil prist la guerre et commenga Pestril. 
e 15. Li termes vint et li anz et li dis 
16. Qae Chevalier velt fere Hernaut son filz. 

Hemaut8 Boten sagen zu Girbert: 

86. Et sa menez vostre filz Anseys! 

37. Si le verra son chier filz Loeys. 

S 164c 40 und L 2b 1 erwähnen vier Söhne: 
Manesier, Loeys, G-erin und Richart. U fehlt mit dein 
Anfangsblatte. 

S: Lud i as ist sur *1* mul arragon, 

IIII- fils ot ki moult biel enfant sont; 

42. Ne maiß li doi sont petit valeton, 

Li autre *11* sont grantiame glouton. 

Li ainsnes filg Manesiers avoit non 
45. Et Loeys l’autre rapieloit on. 

L: Ludie avale de son mestre dognon, 

•IUI* fius ot d’Ernaut le sien baron. 

3. Li doi sont grant parcreil et glouton, 

Contre lor pere vont cil a esporon; 

Li autre doi sont petit valeton 
6. Jumiel estoient d’une conjonction. 

Avoec lor mere vont cil par le sablon, 

Si los leva li rois de Mon-Loon 
9. Et la roine a la clere fa$on. 

Des IIII* fius Ernaut dirai les nons: 

Li ainsnds tu Manesiers al cief blon, 

12. Ains plus biaus enfes ne tu en tot le mon; 

Et Loeis l’autre rapieloit on. 

Des *11* jumiaus vous redirai les nons: 

15. L’un apielerent Bicardet en sains fons, 

Depar Ricart de Buem le baron, 

L’autre Garin par non rapieloit on, 

18. Si le leva Garins de Mongenson. 

Man vergleiche ferner S 166a 28 ff., L 4c 33 ff. 
und U 2b 5 ff. 

S: „Signour“, dist eile, „vous convient esploitier, 
Bichart menres a Lens ke j’ai moult chier, 

30. Et Bi menrds Garin le droiturier 

33. Aubert me dites mon baillieu et fevrier: 

Mes enfans gart, car je Pen veul proiier!“ 


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L (U): „Amis biaus frere“, fefc eie, „entend^s $a! 

Garin mon fil ct Ricart en menras, 

A le roine en France t’en iras, 

36. Mes *ir enfans a li si trametras.“ 

2. Nach S 164b 36 ff. und L 2a 12 ff. haben 
Girbert, Gerin, Malvoisin und Hernaut an der Fahrt 
nach St. Jago in Spanien, die mit der Ermordung 
Fromondins endigte, teilgenommen. (U fehlt noch). 

8: Ch’est apr&s Paskes en nne ronvison 
Qne a Saint- Jake alerent li baron 
38. Hernaus, Gerins et Gerbers li frans hons .... 

44. II y (d. h.: un grant bos anchiien bei der Stadt 
Moron, droit a Pentree d’Espaigne) alerent, si ont 
trouve Fromon. 

L: Li das Gerbers traist Fro mondin a fin 
En Permitage, si con Paves o'i. 

Et si i fn et Hernaus et Gerins 
15. Et avoec ans li vassaus Mauvoisins, 

Quant repairoient de Saint-Jame en Galis; 

Et puis revinrent a Bourdele le cit. 

Nach N war Hernaut nicht zugegen. Er erfährt 
erst in Ais von der Ermordung seines Schwagers, 
wohin ihn Gerbert entbietet. 

N 139d 2: De Pampelune s’est Girbers departis .... 

10. Tant ont ale li Chevalier gentilz, 

Qu’il sont venu a Es celle fort cit ... . 

21. Hernaut manda, et il tantost i vint .... 

25. Et lor demande que il o[re]nt fet puis. 

Et il ont dist: „Moult bien la dien rnercis ; 

Que mort avons le conte Fromondin.“ 

28. Hernaus l’entent, moult joiant an devint. 

Auch in v findet die erste Zusammenkunft in 
Ais am Hofe Girberts statt. Hier teilt ihm Girbert 
erst das Nähere mit: 

v I 306a: Or avint ung jour que le dict Hernault ce tro- 
wait [a] Ais en Gascongne a la court du roy Gilbert, et heurent 
plusieurs devise ©nsamble touchant la mort de Fromondin. 
„Par dien mon (806 b) biaulx nepueulx,“ ce dit Gilbert, „mainte- 
nant avouns bien subjugues nous annemis. Or n’y ait plus que 




28 


de bien faire; car il n’y ait plus de tout le lignaige de Fromon 
qui contre nous ce housait alever ne qui airme honsait arn- 
prandre ponr nous faire ung desplaisir“ .... 

3. Nach Hss. S und L (U fehlt) teilt Girbert 
persönlich in Bordeaux seinen Freunden die Erleb- 
nisse auf der Fahrt nach Spanien mit. Ludie ist zu- 
fällig zugegen und erfährt auf diese Weise von der 
Tat Girberts und dem Ende ihres Bruders. 

S 164d 44: Gerbers s’en monte aus el palais plenier, 

Ses amis fait venir et arengier. 

A cel concel fu Ludie au vis fier, 

47. Gerbers leur raoustre le mortel encombrier 
165a 1. De Froinondin k’il ochissent l’autrier. 

Si con Gerbers ot mande ses amis 
3. Et il se furent de renc en renc assis, 

„Signour“, dist il, „or oij6s mon avis! 

Asseür estes, par foy le vous plevis; 

6. Ne vous doutes ke jamais Fromondins 
Vous tolle mais ki vaille -I* paresis! .... 

10. Al repairier ke faisiens de Galis 

Nous dist I* hons k’el bos de Mont-Elis 
12. Ert *1- sains hons ki moult ert dieu amis. 

Nous y alasmes, par foi le vous plevis, 

Illeuk trouvasmes ke c’estoit Fromondins .... 

24. La l’ocheime3 et si est enfouis. 

Or pov6s estre mais asseür tout dis.“ 

0 le Ludie, li sans li est fu'is, 

27. Pasmee chiet ens el palais voltis. 

L 2d 29: „Ne vous moves, sire!“ Gerbers a dit, 

„Je voel parier a vos *1* seul petit.“ 

Ens en la sale a mande ses amis, 

Les Chevaliers ki sont de rice pris. 

33. A cel conseil, signour, que je vos di 

S’en vint Ludie ferne Hernaut le marcis .... 

3a 3. „Or ascoutes, signor!“ Gerbers a dit, 

„Vous vos doutes dou conte Froimondin. 

Soi6s seürs, de verte le vous di, 

6. Ne pora mais a nul jor revenir! 

Nos le trovammes dedens *1* bos anti; 

Hermite estoit, dieu servoit nuit et di ... . 


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29 


24. En l’ermitage, signor, l’avons ocis. 

Si in Vit dieus, jou le feri issi, 

Qae Ji cerviele devant ines pies cai.“ .... 

35. Ludie l’ot, li sans li est fui’s. 

Nach N und v erzählt Hernaut nach seiner Rück- 
kehr von Ais seiner Gattin den wahren Sachverhalt: 

N 139d 47 : A Gironville fu Hernaus li gentis 
Et la contesse sa fame Ludiis. 

Tot Perrement(I) que il avoit apris 
50. Que mors cstoit son frere Fromondin, 

Et IV ocis Girbers li filz Garin 
e 1. Enz en la voie de Saint- Jaque en Galis 
En Permitage ou moustier beneis. 

3. Et quant Ludie celle parole öy, 

De pasinison a la terre eha'i. 

Au relever a gitd T* grant cri 
6. Et tört ses poinz et moine grant essil : 
„Fromondin frere, male non veile a ci. 

Quant vos a mort Girbers li filz Garin, 

9. Ja dieu ne place, qui onques ne menti, 

Que soie soule de piment ne de vin, 

Tant que Girbers li rois en soit honis. 

12. Si sera il, se diex plet et je vis.“ 
v I 306b .... Puis apr&s qu’il heurent beu et maingeez 
tout a leur aise, le conte Hernault print congiet du roy Gilbert 
et ce mist en son chemin. Et tant ait chevaulchiez mont et 
vaillez qu’il arivait a Lanz en Lanoy, la ou a cest heure cstoit 
sa ferne Ludie; aucy y estoit Lowey son filz. La dame vint 
adevent du conte Hernault son mary et moult grant joie en 
fist. Mais moult triste et dollante [devint], quant eile sceut a 
vray la mort de son frere Fromondin. Car ledit Hernault luy 
comptait am privee toutte la veritd a vray de sa mort et coment 
on l’avoit occis ou bois. De quoi Ludie cheut pasmee de doul- 
leur et lui en fist le euer moult mal .... Mais nyant moins 
quant eile poult revenir a sa parroile, ce print a doulouser 
moult griefment en destourdant cez poing ces mains et en tirant 
cez cheveulx et faisoit le plus grant dueil du monde. „Ha, 
Fromon frere,“ fait eile, (307a) „quelle piteuse nowelle m’ait on 
cy apourtez de vous! Helas, cellui qui vous ait aincy tueis il 
monstre bien qu’il n’est pas mon amis, ne jay ne me doing 


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30 


dien graice do moorir que premier n’en aye prins griewe van- 
geance!“ „Et certes,“ dit eile, „aincy en advairait, ce a dien 
plait“ .... 

Nach S, L und U findet die Ausführung des 
Verrates an Girbert in Bordeaux statt, nachdem die 
Siegesfeierlichkeiten beendet und die Helden in ihre 
Heimat zurückgekehrt waren. Nur Gilbert war zu 
seinem Verderben noch länger am Hofe Hemauts zu- 
rückgeblieben. 

S 165c 45: Tant ont parle, ke jonrs est esclarcis 
Et ke cascnns s’est cauchies et viestis, 

Son oirre a fait leur atoumer Gerins; 
d. Car il s’en veut raler en son päys 
Veoir sa femme la biele Beatris. 

3. Messe Fa cante ses capellains Tieris, 

Apres la messe se sont as chevaus mis, 

Congiet demande, a la voie s’est mis, 

6. Et aveuk lni est ales Mauvoisins 

A grant compaigne de Chevaliers gentis .... 

11. Lairai de chians ki sont en leur päys, 

Si vons dirai de Gerbert le marcis, 

Ki a Bourdele sejourna *XV # dis. 

Miens li venist ke il s’en fast partis, 

15. Ponr revider sa femme et son päys .... 

L 3c 23 : Li Chevalier Hemaut ont congie pris, 

Si s’en repaire cascnns en son pais. 

Gerins repaire ens el regne Anseis, 

Od lni mena le vallet Malvoisins; 

27. Grant joie en fait la biele Beatris. 

A icel enre s’en departi Gerins 
Del dnc Gerbert et Malvoisins ansi, 

30. Qu’il ne le virent a nnl jour puis ce di, 

S’en fnrent monlt li parent asonpli. 

Sainte Marie roine genitrix, 

33. Que ne s’en vait Gerbers en son pais 
Veir sa ferne et son petitet fil! 

De grant dolor fnst illnec escremis, 

36. Mais ne pot estre, ne le volt Jesns-Cris, 
d 1. Tot avenra quanque doit avenir. 


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31 


N und v verlegen den Schauplatz nach Lens, 
wohin Hernaut zu Pfingsten seine Verwandten ein- 
geladen hat, damit sie dem Ritterschläge seines Sohnes 
Loeys beiwohnen. Nach beiden Handschriften sind 
Gerin, Girbert und dessen Sohn Yonnet resp. Anseis 
als Gäste Hernauts anwesend. 

N 139e 15: Li termes vint et li anz et li dis, 

Que Chevalier velt fere Hernans son filz. 

D apela *11* mesages gentilz, 

18. „Montez“, fet il, „sor les chevans de pris, 

Et m’alez dire a Girbert mon cousin 
Qu’a pentecoste sa me vaigne veir 
21. Et si m’amaint le sien filz Anseys! 

Si le verra mon chier filz Loeys.“ 

Et eil ont dit: „Tout a vostre devis!“ 

24. Lor sont monte, s’acoillent lor chemin. 

De lor jornees ne sai conte tenir: 

II sont venn a Terrasconne la cit. 

27. La descendirent de lor chevax de pris, 

Et sont monte sus le palais marbrin. 

La ont trouve Girbert le filz Garin, 

80. II le saluent, con ja porez o’ir: 

„Cil damediex qui onques ne menti 
II saut et gart Girbert et ses amis! 

88. Salns vos man de Hernans li palazins, 

Et son chier frere le riche roi Gerins 
Qn’a pentecoste vos les venez veir 
86. Et s’amenez vostre filz Anseys 
Si le verra son chier filz Loeys 
S’acointeront l’nn l’autre li conzin; 

39. Fere le doivent, il sont chamex amis.“ 

Et dist Girbers: „Par ma foi je l’otri. 

Ou iert la feste, savez vos dire amis?“ 

42. „Biax sire, a Lenz par dien de paradis; 

C’est en Artois, car depar Ludiis 

Est conte Hernans de la terre sesis.“ .... 

49. Girbers manda la gent de son pais. 

Venn i sont maint Chevalier gentilz. 

Qnant sont ensemble, bien furent *XII*XX- 


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32 


f 1. Si ont chargie et argent et or fin, 

Bliaus de soi[e] et paiJes et samins 
3. Que il donront au[s] barons du pais: 

Et par donner est maint home cheris. 

A dien commandent la roi'ne gentilz, 

6. Elle li donne le congie moult envis, 

Elle se paume desor le raarbre bis. 

Voit le Girbers, moult grant piti6 Pen prist, 

9. Mest pie a terre du cbeval ou il sist, 

Dont li besä et la bouche et le vis. 

„Dame“, dist il, „ne plorez plus ainsi! 

12. Vos me ravrez, se dieu plet et je vis.“ 

Va s’en Girbers et son filz Anseis, 

Passent les terres et les amples pais. 

15. De lor jornees ne sai conte tenir: 

Tant ont ale au soir et au matin, 

Vermandois passent, costoient Cambrisis, 

18. Parmi Artois se sont li baron mis; 

Deci a Lenz ne se sont alentis. 

Et la nouvelle sus le chastel en vint 
21. Que la venoit Girbers li filz Garin. 

Encontre va Hernaus li palazins, 

Lui et son frere le riebe roi Gerins .... 
v II 307a .... Aincy ce paissait le tampts plusieurs journee 
tant que le jour de la panthecouste ce aproicboit auquelle 
jour voulloit Hernault tenir grant feste, come cy devent aves 
öy. Et pour cest cause appellait ces messaigier pour envoier 
en plusieur lieu, entre lesquelle il envoiait l’ung a Collongne 
devers le roy Gerin. L’aultre il l’envoiait a Ays en Gascongne 
pour mander a roy Gilbert qu’il vint a Lans a sa feste et qu’il 
amenait Yonnet son filz. Alors montait le messaigier a chevaulx 
et tellemant esploitait par ces jornee que a Ays en Gascongne 
est ariveis la ou estoit le roy Gilbert qui triumpboit avec sa 
ferne et ces amis. Cy le saluoit le messaigier, come bien faire 
le s^avoit, et en toutte bonneurs et reverance il lui fist son 
messaige de part le conte Hernault son maistre disant que le 
dit son seigneur lui mandoit et prioit qu’il ce trowait a Lans 
en Lainoy a jour de panthecouste proiebiens venant pour estre 
a la feste et qu’il voulloit faire cbevalier son filz Lowey. „Et 
pour ce, sire“, ce dit le messaigier, „vous fait pri'er mon dit 


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seigneur que vous haiteis de y venir; et que ameneis avec vous 
Yonnet voustre filz, cy ce aprandront a entrecongnoistre les 
anffans; car il sont pairans et amis.“ Le roy Gilbert fut tres 
joieulx de ces nowelles et promist au messaigier de ce partir 
a lundemain et qu’il c’en yroit avec luy .... Alors ait mandeis 
cez gens de tout coustez jusquez a nombre de *XX* Chevalier et 
plusieur escuier et aultre gens et il y vinrent tres voulluntier 
et de couraige. Cy aprestait le roy son herres, puis print or 
et argent a voullunteis, paille de soie, airme et chevaulx et 
plusieurs aultre riche baicgue et juaulx pour donner et des- 
partir au prince, a duc, au chevallier et pour monstrer sa grant 
lairgesse; car par donner on acquiert plusieurs amis. Alors 
est monteis a chevaulx (307b) et print congiet de la royne sa 
femme laquelle luy donnait moult envis; car de dueil qu’elle 
en eust eile ne ce poult tenir droitte, ains cheut a terre toutte 
pasmee et ne ce poult aultrement soubtenir. Le roy Gilbert 
quant il la vit, il en print grant pitiet et dessandit de son 
chevaulx, puis lui baisait la bouche et le visaige et moult 
tandrement la confortait et dit: „Helas ma dame, pour dieu 
conforteis vous ! Car a plaisir de dieu je retournereis briefment 
et me revairais bien tost, ce je vis. ;< .... Or c’en vait Gilbert 
luy et ces gens, et tant ont chevaulchiez par montaigne et 
par valleez en passant le pais de Wermandois et costoiant le 
Cambresin, puis sont paisses parmi Artois et tant ont chevaul- 
chiez, qu’il vinrent a Lans en ung mattin. Et incontinant en 
vinrent lez nowelle a preux Hernault et lui fut dit, coment le 
roy Gilbert [venoit]. Dequoy il fut tout resjois et alors sont 
monteis a chevaulx luy et son frere le roy Gerin .... 

5. Das Motiv des Verrates an Girbert ist in allen 
Handschriften dasselbe: Ludie will für die Ermordung 
ihres Bruders Fromondin blutige Rache nehmen. 

S 165a 28: Et quant revint, si a gete -II* cris, 

„Gerbers“, dist eile, „ke es cou ke tu dis? 

30. Fromondins est sire de cest päys, 

Terres et fies vous avoit relenquis 
Et si s’estoit el serviche dieu mis 
33. Pour garir s’ame et les nuits et les dis, 

Ne vous ne autres de vos carneus amis 
Ne fust de lui jamais nul jour laidis .... 

41. Hui main esttäs *1* de mes boins amis, 

3 


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34 


Or estes vons raes morteus anemis 
Et seres mais dusc’al jour del ju’is; 

Se jamais puis, ne en fais ne en dis 
45. Par nes I* art n’en estorderes vis .... 

L 3a 86: *111* fois se pesme, ne s’en pot atenir. 
b. Au redrecier oi6s que eie dit: 

„Sire Gerbers, por coi l’as tu ocis? 

3. De par mon pere n’avoie plus d’arnis, 

Ne plus de freres germains de tot mon lin .... 

13. Or Paves rnort el euer de son pa'is, 

Et si s’estoit el deu siervice mis, 

Toi ne autrui ne voloit mais nuisir, 

16. Angois voloit ses peci6s espanir .... 

26. Mais or es tu mes morteus anemis, 

Le plus proudome par foit av6s ocis .... 

31. Ce poise moi, si m’ait Sains Sevrins .... 

Für N und v sind die vorher unter 3 gegebenen 
Textproben maßgebend. 

Die unmittelbare Veranlassung zur Tat giebt 
nach S die Mißhandlung Ludies durch Girbert vor 
dem Kloster Saint Meurice: 

165d 24: T* jour ala au moustier Saint Meuris 
Pour oir messe, si con dist li escris. 

Quant li Services fu cantes et finis, 

27. Si s’en repaire par le palais vautis. 

Gerbers le voit, a l’encontre s’est mis, 

Pais li requist, et en fais et en dis 

30. De l’amendance s’est del tout sur li mis. 

Et eile jure Saint Pol et Saint Denis 
Que tous jours mais sera ses anemis 
33. Et volentiers li fera encor pis 

Que n’ot ses freres, quant li bers Pot ochis. 
Gerbers l’entent. a poi n’esraige vis, 

36. Traite a l’espee, (si) Pa par les caviaus pris. 

Ja li trenchast le tiest, ce m’est avis, 

Quant le rescoust Foukerös li petis 
39. E bien *1111* autre ke eile avoit nouris. 

Gerbers en fu courechies et maris. 

Ludie entflieht in ihre Kammer, wo ihre Söhne 


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— ä5 


sie bluttriefend, mit zerzausten Haaren finden. Sie 
schwören dem blutige Rache, der ihrer Mutter dies 
Leid angetan hat. Ludie weiss die erregte Stimmung 
ihrer Söhne zu benutzen und überredet sie, den Mord 
an Girbert zu begehen. — 

L differiert insofern, als hier die Scene vor dem 
Kloster St. Meurice fehlt und Ludie sich selbst der- 
artig zugerichtet hat, um ihre Söhne durch die falsche 
Angabe, Gerbers habe sie mißhandelt, zur Rache an- 
zuspornen. Ob U diese Abweichung mitmacht, läßt 
sich nicht entscheiden, da die betreffenden Blätter in 
der Handschrift fehlen. 

L 3d 2. : Avoec Hernaut est Gerbers demor^s, 

Miens li venist qne il s’en fust ales 
A Terrasconne dont estoit rois clames .... 

8. *1* jor ala Hernaus pour deporter 

9. Dales Bördele ens en un bos ramd .... 

18. Ens en la sale est Gerbers demores, 

As eskids jue ann conte Guimer. 

15. Hom iert Hernaut le cevalier membre 
De par Ludie la dame od le vis der 
Ki en sa cambre mainne *1* dol si mortel, 

18. Nns hom de car ne le puet conforter. 

Parmi la sale es vons *11- bacelers, 

De Geronvile vienent de deporter! 

21. C’est Manesiers et Loeis li ber * 

Li fil Ernaut qu’il ot ains engenrä 
Ki ont lor pere el palais demande. 

24. Gerbers lear dist qu’il ert cacier al6s 
Parmi les Landes de Bördele sur mer. 

Ens en le cambre sont li enfant tournd, 

27. En malvais point ont lor mere trove 
U eie saine et par bouce et par n6s, 

E8kievele[e] ses ceviaus a tir6s, 

80. Moult poi s’en faut que n’a le sens müA 
Pasmee estoit caüe(?) sor -I* piler 
Qn’en -IIII* lius en fist le sanc voler. 

33. Manesiers voit sa mere ensanglente .... 

3 * 


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4a 1. Dist Manessiers: „Dame, l’aissi^s ester! .... 

6. Mais dites nous vo euer et vo pense! 

Et nos ferons toute vo volenti .... 

12. Car cou est drois, diex le dist par vertd, 

C’on doit sa mere sor tote rien amer 
Et essaucier siervir et honorer.“ 

15. „Fius“, dist ii mere, „moult aves bien parlA 
S’ensi le faites, cum avds devise, 

Ains que jou muire, sacids de verite, 

18. Ferai de vos cascun roi corone .... 

30. Par teil maniere que vos m’afierds 
Que de vo oncle Gerbert me vengerds 
Ki m’a batu, laitdit et ramprosne ... .“ 

N und v erwähnen nichts von einer Mißhandlung 
Ludies. In beiden Handschriften gibt der Streit 
zwischen Lowis (Loeys) und Yonnet (Anseis) auf der 
Falkenjagd den unmittelbaren Anlaß zum Morde. 

Ludie versucht zunächst vergebens, ihren Sohn 
Loeys durch Hinweis auf die ihrem Geschlecht© durch 
Girbert zugefügte Schmach zum Morde zu überreden. 

N 139f33: „Filz“, fet Ludie, „entendez envers mi! 

J’ai si grant duel, a poi que ne nerci, 

Que saiens est me mortel anemi 
Qui t’a occis ton oncle Fromondin 
En l’ermitage ou moustier benei 
Et ton linage a tot mis a declin. 

% Mais se tu veus ouvrer a mon plesir, 

Vengier poras toz cex qui sont occis. 

Moult grant honor i avront ti ami, 

Se tu l’ocis ou son filz Anseys. 
v 307b H: .... „Ha Lowis“, dit eile, „mon chier anffans, 
antans ycy a mes parrolle et les rethient en ton couraige! Tu 
sces que je suis ta mere a laquelles tu dois obeissance. Or ais 
en mon euer tant de dueille et de doulleur, que a pouc ne me 
fant en deux, quant ycy presant je vois mes annemis mortel qui 
m’ont destruit tout mon lignaige. Et fault qu’il soient encor 
les plus honnoures et servis. Je lez heis tous [et] veult bien 
que tu le saiche [que je ne lez puis resgarder]. Et par especialz 
le roy Gilbert lequelle ait mort [et] tueis ton chier oncle Fro- 
mondin en l’airmitaige dedans le bois. Et ton lignaige ait tout 


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gaistes et destruit parquoy nous avons cause de le hai’r. Mais 
ce tu veult, dit [la faulce femme], faire a mon plaisir, tu pourrais 
vangier ce dessonneur et estre cy vaillant et vertueulx, que par 
toy serait (308a) tout honnoureis ton liguaige ressouhauciei et 
remestre(!) en value; [et serait ce fait] par la raort du roy Gilbert.“ 
Loeys weigert sich entschieden, die verräterischen 
Absichten seiner Mutter auszuführen. Er kehrt in den 
Saal zurück und verabredet mit seinem Vetter eine 
Falkenjagd. 

N 140a 11.: Ez par la sale le petit Loeys 

Li filz Hernaut dont vos avez o'i! 

II en apelle son cosin Anseys 
Li filz Girbert li prex et li gentilz, 

15. „Cosins“, dist il, „entendez a mes dis, 

Montons es seles des destriers arabis, 

S’irons jouer sor l’yave de Torin!“ 

18. Dist Anseys: „Cousins et je l’otri. 

La fors irai jouer aveques ti.“ 

Lors sont montez sor les chevax de pris, 

21. Et sor lor poinz ont lor oisiax assiz. 

Li ostagier avec eus se sont mis, 

Jouer en vont vers l’iave de Seclin, 

24. Li damoisel a tabourer ont pris; 

Et Anseys a le sien avant mis 

Li filz Girbert qui moult estoit gentilz, 

27. Ne falli pas, -I* malart abati, 

Trestous ses ongles li fet en char sentir. 

Voit l(e)’ Anseys, toz joianz en devint, 

30. II en apelle son cosin Loeys: 

„Cosins regarde por dien de paradis, 

Con cel oisel par est or enchamis! 

33. La moie foi loiaument vos plevis 
Que li parages Fromont le posteis 
Et Loherain sont si entrecharnis, 

36. L’un contre l’autre et ont est6 toz dis.“ 

Loeys Pont, a pou n’enrage vis. 

Lors a parl&, lors commen^a Pestris 
39. Et la grant guerre qui puis ne pot fallir 
„He glous“, dist il, „tu soies maleis! 

Com par fus ores et osez et hardis, 




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42. Que ton oisel desor le mien meis; 

Que ton lignage certes ne le doit mi. 
Ton aieul fu li Loherains Garins, 

45. Riehes d’avoir, mais pou avoit arnis; 
Tant en donna au barons du pa’is, 

Que il fist fere le chastel de Beim. 

48. Hernaus mon pere et mon oncle Gerins, 
Girbers ton pere et li dus Mauvoisins — 
Tout ton lignage a T* mot te di ci — 

51. Ne sont que Till*, que on le set de fin. 
b 1. Mais mon lignage fu adäs de grant pris, 

Mon aieul fu Fromons li posteys 

15. Mais tu qui es povres dolanz chetis? 

S’or estoit mors Girbers li filz Garin 
Ton pere sol que tu par aimes si, 

18. Tu n’avroies ne parent ne ami 

Qui plus t’aidast ta guerre a maintenir. 
Outre la mer te covenroit fouir 
21. En autrui terre comme povres chetis.“ 
Anseys l’oit, a mervelles li vint, 

Puis li respont, con ja porez oir: 

24. „Sire cozins“, dist il, „entendez mi! 

Se je vos ai ne meftet ne mesdit, 

Prenez l’oisei s’en fetes vos devis, 

27. Ne movez guerre por dien de paradis; 
Que a toutenz i pories vos venir!“ 

Dist Löyset: „Tu n’es pas mes amis; 

30. Car par ton pere fu occis Fromondins.“ 
Anseys l’oit, hautement respondi; 

Qu’il ne pot plus son corage covrir: 

33. „Fel glous purlent, diex te puist maleir! 
Que le lignage que tu as nomme ci 
Ocist le mien, que on le set de fi. 

36. Et ces paroles que tu avant tresis 
Comparas tu, se diex plest et je vis.“ 
L’oisei bucha et li oisäs revint. 

39. Miex li vausist que il s’en tust fouis; 
Que par les eles li damoisiax l’a pris, 

En haut le lieve, aval le let venir, 

42. Parmi le ebief en feri Loeys, 

Que les esplumes li fet du cors partir, 
Et la bouele li fet du cors chejr. 


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45. Sanglente en ot et la bouche et le vis. 

Loeys le voit, a pou n’enrage vis, 

Mestent les mains a leur branz aserins, 

48. Et ja se fussent vergonde et honis. 

Les ostagier se sont entre II* mis, 

Et Loeys a pou n’enrage vis, 

51. De la s’entorne sor son cheval de pris. 
c. 1. II ot sanglente et la bouche et le vis, 

Et fu rompus ses bliaus de samis, 

Son chief en cuevre, puis s’est a voie mis, 

De ci a Lanz ne ci est alentis .... 
v 308a III : . . . Alors Lowis le filz Hernault ait appelleis 
Yonnet son cousin. „Mon cousin“, dit il, „antandes scay: Mou- 
tons nous deux a chevaulx et nous allons esbaitre sus la rivier 
ou dessus une yawe c’on appelloit Sorclin!“ „Vraiement, sire 
cousin,“ dit Yonnet, „je vous en remercie et suis contant d’aller 
esbaitre avec vous.“ Alors ont monteis a chevaulx lez deux 
anffans et prinrent leur oysiaulx dessus leur poing, cy ce mirent 
en chemin et plusieur escuier avec eulx qui leur tindrent com- 
paignie. Cy c’en vont chevaulchant ensamble jusques il vin- 
rent dessus cest’ yawe de Seclin. Adoncque menoient les jou- 
vanciaulx grant bruit et grant noise en tanbourant et huttinant 
de joie qui estoit en eulx. Lors tenoit Lowis le filz Hernault 
son oysiaulx dessus son poing, puis avoit aprestes ung aultre 
oysiaulx des le mattin lequelle, comme le mest la vraie istoire, 
jectait en l’air pour le faire prandre au siens; mais il faillit. 
Yonnet estoit presant lequelle, c’en panser a nulz malz, laissait 
ailler le sien oysiaulx et ne faillit pas a prandre sa proie. Ains 
print ung mireus et tellemant l’abaitit, que lez oncqle lui fist 
antrer dedans la chair et le tenoit sougest soubz luy. Parquoy 
] Yonnet en fut joieulx, mais] Lowey en olt grant dueil et c’en 
esmust tres fort en yre [dont] avint cy grant malz depuis, qu’il 
n’est possible de le vous dire; car de fellonnie qui fut en 
Lowis [il congut et] par envie de cest oysiaulx bien orguilleuse- 
ment ce print a dire: „Ha glout“, [ce] dit il, „que dieu vous 
envoie’ malle sante“ ! [Mais] coment fustes vous or cy ouseis ne 
oultrecnidiez que ton oysiaulx ait mis le miens audessoubz? 
Certes ton lignaige n’est pas digne de ce faire, ne congnissoit 
on pas bien ton grant peire le Lourain Öuerin lequelle estoit 
tant riche d’or et d’argent qu’il n’estoit a nombrer ny a dire. 
Mais il estoit powre de pairans et d’amis; car ce fut par son 


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40 


avoir qu’il donnait (308b) tant a prince et a Chevalier, qu’il fist 
fermer en Bourdellois plusieur chaistiaulx, entre lesquelle il fist 
fermer le chaitiaulx de Bellin, la Vauldorre et Montesclab . . . 
En ce faisant estoient seulleraent le conte Hernault mon pere 
et mon onele le roy Gerin paraillement le roy Gilbert ton pere 
et le conte Malvoisin. Et qoant on lez out bien comptA, en tout 
ne sont que quaitre [ou V], Et est ton lignaige enthiere que je 
t’ais ycy nommeis. Mais, dit il, c’est [tout] aultre chose du mien 
de part ma meire ; car il y avoit tout plain de gens couraigeux 
et hairdis. Premier y estoit mon grant peire Fromont .... 
Mais toy, fait il a Yonnes [qui es tu]? Tu es ung [freuseus] chaitif 
et malheureux; car ce ton pere le roy Gilbert estoit mort, tu 
n’averoie amis ne pairans qui te aidait a maintenir ta guerre, 
ains te cowiendroit fowir comme ung chetif oultre la mer pour 
te salver en aultre terre.“ Alors qu’il olt aincy preschi^s et 
qu’il olt dit asseis d’injures a Yonnet, il respondit moult doul- 
cement; car euer debonnaire est jantilz a tousjour ne jamaix 
ne peult mantir. Et pource replicait en cest sorte [et dit]: „Cou- 
sin“, dit il, „entandes scay! Je vous prie ou non de dieu que ne 
soiez cy malcontant; car ce je vous ais ne meffait ne mesdit, 
je vous en crie merey a joincte mains, et avec ce preneis mon 
oysiaulx et qu’il soit voustre, ne n’esmoweis guerre pour cy 
peu de chose, je vous on prie pour dieu! Car a guerre peult on 
bien tousjour venir.“ Et apres co dit et qu’il sc’eut esseis hu- 
milliet, voiant aucy que Lowis ne ce laichoit point de son cou- 
raige, il ce esmeust fort en courrous et luy montait le sanc au 
visaige, [puis dit]: „He glout“, fait il, „[et] que dieu te puist 
maldire! [Mais] ton lignaige et le mien [n’esse pas] tout ung? [Cy 
est] au moins de part ton pere; [et] au contraire lez traistre 
que tu ais ycy nommeis ont occis mez parans. Et le mien lig- 
naige ait tout destruit le tien. Mais par dieu lez pairolle que 
tu m’ais ycy reprouebiez une fois lez acomparrais chierement 
voir, ce je vis et dieu m’en doinct la graice.“ Alors reappellait 
son oysiaulx et il vint incontinant, [combien que] il wausit mieulx 
pour luy qu’il ne lut pas retourneis; car a plus tost qu’il le 
thint, yl le print par les deux elles, cy le levait en hault et de 
toutte sa puissance en donnait cy grant copt dessuz la fasse au 
dit Lowey, qu’il fist saillir lez plume hors de la chair; et cre- 
vait [au dit oysiaulx] le euer et la pance tellement, (309a) que 
du sanc qui sortit d’icelluy oysiaulx en avoit Lowis la faisse 
toutte ansanglanteez tant le neis la bouche comme le visaige. 


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41 


Dequoy il cuidait anraigier d’ire et de courous qu’estoit en lui. 
Lors mectent les mains a leur espees, et jay ce fussent vergong- 
niez ou tues, ce n’eussent estez leur escuier et serviteur qui ce 
mirent entre deux et a bien grant paine lez despairtirent. Et 
adoncque incontinant ce pairte Lowis d’illec et tant que chevaulx 
l’en poult pourter retournait devers la ville. II avoit cowert 
son visaige de son mantiaulx, ne ne laichait jamais le courre, 
jasques qu’il vint a Lans apres sa meire. 

6 . Die Ermordung Girberts geben nicht alle 
Handschriften übereinstimmend wieder. S 166d 12 ff., 
U 2d 28 ff. und L 5c 10 ff.*) berichten wie folgt: 

Hernaut ist mit seinen Mannen auf die Jagd ge- 
gangen. Girbert ist allein im Saale zurückgeblieben. 
Nachdem er eine Zeit lang mit einem der Mannen 
Hernauts Schach gespielt hat, ist er von Müdigkeit 
überwältigt neben dem Schachbrette eingeschlafen. 
Manesier und Loeys schleichen in den Saal und töten ihn. 

S 166d 29. Atant es vos le varlet Manesier, 

E Loey ki li vient par derier, 

Encoraigiet de Fromondin vengier 
Par le dyable qui mal veut essauchier! 

38. Manesiers prist a *11* mains l’eskiekier, 

A lni le sake e li roys Gerbiers chiet 
Agenillous ens el palais plenier. 

36. Deffyet a son oncle le guerrier, 

Encontremont a hauciet l’eskiekier. 

Si con Gerbers se caida redrechier, 

39. Sur le soureil si dnrement le fiert, 

Ront li la char, frosse le hanepier .... 

44, E Loey 8 parmi le pis le fiert, 

Le grant coutiel li fait el pis baignier . . . 

Die einzige Zeugin des Verbrechens ist eine alte 
Frau, die im Saale gerade zugegen war. Sie berichtet 
Hernaut das Geschehene. 


*) Ich werde mich bei Textangaben von hier ab auf Proben 
der Hss. S, N und v beschränken, L nur bei bedeutenden Ab- 
weichungen berücksichtigen. 


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42 


N und y weichen in der Wiedergabe dieser Scene 
von S, U und L ab. Zunächst befindet sich hier 
Gilbert nicht allein im Saale, sondern in der Mitte 
seiner Freunde und Anhänger, in deren Gegenwart 
sich das Verbrechen vollzieht. Während alle dem 
Vortrage eines Spielmannes lauschen, erschlägt Loeys 
seinen Onkel Girbert. 

N 140c 85: *1* jougleor ot sa viole pris 

Qai lor viole sus le palais antis. 

A lui estoient li baron ententis . . . 

40. Or escoutez que fet tandis Löys! 

Par derrier vint comme murtriers tapis, 

•r eschequier coiement avoit pris. 

Lors vint derrier Girbert le filz Garin, 

Amont le lieve aval le let venir, 

45. Parmi le chief en va Girbert ferir, 

Le test li ront sanz nes *P contredit, 

Que la cervele li a fete boulir. 

48. Girbers chiet mors sus le palais marbrin . . . 
v. 809a IV: Ulec presant estoit (309b) ung violleus ou ung 
jugleus lequelle faisoit plusieurs esbaitement et chansons sus sa 
vielle, chose cy doulce et chansonnette et las d’amour cy nowi- 
aulx, que c’estoit chose melodieuse de le öyr. Et de la doulceur 
d’icellui son lez prince et lez seigneur du pa'is y prenoie ung 

singullier plaisir Mais Lowis avoit aultre pansee; car a Peur 

qu’il le vit plus amuser [a jeu] il vint tout doulcettement par 
derrier et print son espees a deux mains, laquelle il levait en 
hault et la ravaillait ung cy grant copt sus la teste a roy 
Gilbert, qu’il luy fandit en deux moitiet et luy espandit la 
cerveile en terre. 

7 • Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, 
lassen N und v Gilbert auf der Stelle sterben. In S, 
U und L wird er zwar tötlich verwundet, erwacht 
aber mehrere Male für kurze Zeit aus der Ohnmacht 
und unterhält sich mit einer alten Frau, die bei dem 
Attentat zugegen Var. Cf. L 6a 1 ff. und U 3b, 6 ff. 

S 167a 25: Or vous dirons de la viele moullier . . 

29. A Gerbert vint ki gist sur le planchier, 


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43 


Si li drecha encontremont son cief, 

Tant ke li bers de pasmisons revint . . . 

36. Li roys Gerbers de pasmison revint, 

Son fil regrete le petit Anseis .... 

44. „Clarisse biele au gent cors eskavi, 

Hui perdräs vous vostre carnel ami, 

No me verres jamais a nes *1* di!“ . . 
b 1. Dont se repasme del dolour ke senfci. 

La viele pleure, quant Gerbert ot öy. 

Gerbers revint vers dien ses mains tendi: 

„Glorieus sire, ayes de moi merchi! 

Que ne perdds m’ame, je vous en pri“ . . . 

12. Gerbers se pasme et menu e souvent .... 

16. Confession demande moult souvent . . . 

19. „Dame“, dist il, „pour dieu omnipotent 
Tous mes pekies vous dirai err amment.“ . . 

25. Tous ses pechies li conta erramment 
De chief en cief, ke n’i laissa noient . . . 
c 7. Li dus Gerbers ot ces pecies jehis . . 

10. La viele dame a apieler le prist: 

„Sire Gerbers,“ fait eie, „dous amis, 

Vous nous laissiös, certes che poise mi. 

En quel moustier sire vaures gesir, 

U a Bourdiaus u en autre päys 
U maint vo ferne et vos fils Anseys?“ 

„Dame,“ dist il, „pour dieu a Saint-Denis 
La u tout gissen t li mien carnel ami. 

Jouste Bigaut, dame, soie enfouisl“ 

Ne pot plus dire; car li ceurs li menti, 

L’ame s’em part et li cors s’estendi . . . 

8, In S, U 3a 30 . . und L 5d 24 . . entfliehen 
die Jünglinge nach vollbrachter Tat mit ihrer Mutter 
und deren Anhängern nach Gironville, um sich vor 
Hernaut „dem Gerechten“ zu retten. 

S 167a 12: Tout *IH* s’enfuient e vuident le planchier, 

Fourre encontrent et •XIIH* escnyers, 

Del grant paraige furent Fromont le viel .... 

19. Fors de la vile en vont bien *V* millier .... 

22. A Gironvile en vont o Manesier. 

N’osent atendre Hernaut le droiturier 
Qu’il ne les faice detraire e escorchier .... 


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44 


In N und v entflieht Loeys zu seiner Mutter. 
Sie sucht seine Angst vor der Rache Yonnets zu be- 
schwichtigen, indem sie darauf hinweist, daß Hernaut 
und seine Verwandten durch die Bande des Blutes 
gezwungen sind, ihm zu helfen. 

N 140d 3: Dedenz la chambre a sa mere est fu’is .... 

5. Voit le sa raere, a apeler l’a pris: 

„Que as tu fet sire filz Loeys?“ 

„Mauvesement“, li danziaus respondi, 

„Que je ai mort Girbert le filz Garin. 

Helas dolant, il estoit mon cousin 
Le plus preudome qui de mere soit vis!“ 

Et quant Ludie celle parole o’i, 

Ou voit son filz, a conforter Ta pris: 

„Ne t’esmaier, sire filz Loeys, 

Que tu as moult et parens et cozins 
De ton parage Fromont le posteis! 

Et d’autre part je ne te doi mentir: 

Hernuus ton pere ne te pora fallir, 

Et si avras le tien oncle Gerin 
Et ton cousin le bon duc Mauvoisin“ .... 
v 309b IV : . . . . car il ce salvait dedans la chambre en 
laquelle estoit sa meire [la faulce ferne] laquelle, quant eile 
le vit, luy demandait dez nowelle et coment il avoit esploitiet. 
„Par dien meire“, ce dit Lowis lequelle ce repantoit desiay, 
„je les fait malvaisement“. „Coment“, dit eile, „mon affans?“ 
„Pour ce“, dit il, „car tueis votre annemis lequelle estoit le 
milleur homme qui oncque mairchait sus terre et le plus ver- 

tueulx [et saige] pour ung seigneurs Or m’en fauldrait 

il mourir! Et certe je l’ais bien deservis, ne jay ne me doing 
dien la graice que j’en puisse eschaiper en vie!“ Quant la 
malvaise femme öyt aincy son anffans se complaindre et la- 
menter, [eile] le print a reconforter [et dit]: „He Lowis, mon 
filz, ne te esmaies pas aincy, car nous avons aisseis amis et 
pairans pour resister encontre d’eulx. Et d’aultre part ton pere 
c’est Hernault qui ne te fauldrait nullement, le roy Gerin cy 
est ton oncle qui ne te abandonneras point pour lez servir, 
pareillement le conte Malvoisin est ton cousin“ .... 


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45 



9 • Nach S, U 5b 30 ff. und L 7b 35 ff. läßt 
Hernaut den Abt von St. Sevrin kommen, der dem 
edlen Toten die letzten kirchlichen Ehren erweist. 
Nach den Trauerceremonien wird die Leiche im 
Klosterkirchhofe beigesetzt. 

S 168a 41: Dont a mande l’abbe de Saint-Sevrin, — 

Jouste Bourdiaus li abbeye sist — 

E il y vint volentiers non envi, 

Moines o lui, ne sai u *V* ou VI*. 
b 15. -I- riche drap ont desus le cors mis 
Et si le font porter a Saint-Sevrin ; 

Car la vauront le boin roy enfonir. 

18. Chirons y font et encensiers venir 
E si les font environ asseir. 

Maint paliot e maint drap airtesi 
21. Estendre i font, c’om si puist asseir, 

Villier le font par Gautier et Landri 
Des Chevaliers et des autres ausi 
24. Qui s’en vont tout environ asseir. 

Quant se departent, en yaus n’a ke marir 
Desci au jour ke il dut esclarcir 
27. Que se leva li abb6s par loisir 
Et si se traist el non Saint Esprit 
Vers le moustier u on puist dieu servir 
30. Et dist c’on faice *1* prestre reviestir 
Ki die messe pour Gerbert le marchis. 

Apres la messe Palerent enfouir, 

33. Jouste Rigaut en la terre gesir. 

D’un riche marbre Porent bien fait covrir, 

Les letres dient: „Li dus Gerbers gist chi.“ 

Nach N und v läßt Anseis (Yonnet) den Leichnam 
seines Vaters auf Lanzen aus der Burg Hernauts her- 
austragen und nach Terrasconne bringen. Hier wird 
Girbert, um den das ganze Land trauert, feierlich 
beigesetzt. 

N 140f 42: Fora de la biere ont le roi Girbert mis, 

Sor les espies Pont couchi^ par devis, 

Les fers devant et les fus derrier mis .... 


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46 


141a 2. Apräs le cors va Hernaus et Gerins. 

Qnant Anseys voit son pere venir — 

Desor les lances estoit contremont mis — 

II le regreste, con ja porez o'ir: 

6. „He Girbers pere, con male encontre a ci! 

Hernaus t’avoit mande en ce pais, 

Nos i venimes, peres, ce poise mi. 

9. Par traison vos a mort Loeys 

Li filz Hern aut qui estoit vos cosins. 

Je n’en puis mais, par dieu, se poise mi! 

12. Or vos venrai vengier en ce pais 

A grant empire, se diex plet et je vis!“ ... . 
b 6. Le cors enchargent qui sor les espiäs gist, 

Et entor li avoit et duel et cris 
Que font entr’ex li Chevalier gentilz 
Qui regretoient Girbert le filz Garin .... 
c 8. Passent les terres et les amples pais, 

De lor jornees ne sai conte tenir: 

Une abaie truevent en lor chemin, 

De saint Michiel estoit, ce m’est avis; 

12. La se hauberge le petit Anseis. 

A *1* coutel a fet son pere ouvrir, 

Tonte Tentraille en a il fet issir, 

15. Devant Tantel la firent enfoir; 

Le cors enbaument li Chevalier de pris. 

A celle fois le leserent ainsi 
18. Deci au main que il fu esclarci, 

Le cors enchargent li Chevalier h&rdi, 

Isnelement acoillent lor chemin. 

21. Tant ont al6 li Chevalier gentilz, 

A Terraconne sont venu li marchis. 

Et la novelle en la eite en vint 
24. Que Girbers vient qui est a tort ocis; 

Grant duel en ont li baron du pais, 

Au grant mostier ont le roi Girbert mis. 

27. Qui dont veist la gent clergie venir, 

Leur sautiers lire et ensenciers tenir .... 

48. En terre ont mis Girbert le filz Garin, 

Grant duel en ont li baron du pais! 
v 810b V: . . . il ont bouteis le corps hors de la bierre et 
l’ont couchiez a loing de leur espiet tont aincy comme Thierej 


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leur devisait .... Et alors vont lez trois bairons, c’est assavoir 
le conte Hernault le roy Gerin et Malvoisin apräz le corps tons 
[en] plourant et gemissant et demenoient merveilleus dueil. Or 
quant ce vint a l’aproichiez ec que Yonnet vit apourter ’son pere 
hault esleveis dessus les lance, cy le regraitte et fait plussieur 
complainte [et dit] : „He Gilbert mon chier (311a) peire, con malle 
encontre nous alt ameneis en ce pai's ycy! Quant en traison 
vous ait tueis Lowis le fault le desloiaulx, jay ce qu’il soit mon 
cousin. Helas, fait il, je n’en puis may et m’est ung grief fais 
a pourter; mais ce dieu me doinct la graice que puisse vivre, 
je vous vanreis vangier ycy!“ . . , Alors rechairgirent le corps 
sur leur espiedz autour duquelle y avoit grant pleur et grant 
gemissement dez duc dez conte et Chevalier, et plouroit chacun 
que c’estoit pitiet a öyr et regrettoient le bon roy Gilbert autant 

qu’il fut esteis leur [propre] pere (311b VI) . . Et avec 

/ ycellui corps ont taut chevaulchiez en passant mont et vallee 
que a une abaihies sont ariveis laquelle estoit fondee de saint 
Michiel et estoit ycelle cituees en leur chemin. Et illec sont 
habergiet pour celle nuit. Puis durant ycelle le joune anffans 
fist owrir le corps de son pere par le (312a) conseille de cez 
amis, et touttes lez antraille en fist oster et devent le grant 
autel y les fist enfowir. Puis ont fait ambaumer le corps et 
le laissairent illec jusques le lundemains au matin. Lequelle 
venus ont rechairgiet ledit corps comme [par avent] et tant 
ont airreis et chevaulchiäs, qu’il sont venus a Terrasgogne. 
Mais incontinant en fut la nowelle espandue par toutte la ville 
et le pai's, parquoy fut grant dueil demeneis tant des grant 
comme des petis. Le corps fut pouseis tout a millieu de la 
souveraine eglise autour duquelle fut mis grant luminaire. Et 
alors vinrent prieur et convers, prestre, chainoigne et plusieur 
aultre religieulx, evesque prelas et abbe avec crois et ansancier, 
et firent de l’onneur au corps en priant a dieu pour l’ame 
autant qu’il estoit possible et que a l’estat reaulz apartenoit . . . 
Et apr&s ce dit (d. h. nach den Worten Yonnets an seine Mutter) 
fut le corps mis en la terre avec grant reverance et honneur 
comme a son estat aparthenoit et avec aucy grant pleur et plains 
lesquelle il faisoit moult piteux öy . . . 

10 . Hernauts Verhalten nach der Ermordung seines 
Freundes ist in allen Handschriften zunächst dasselbe. 
Der erste Schreck wirkt derart auf ihn, dass er be- 
wußtlos zusammenbricht. Tiefes Mitgefühl mit dem 


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Toten, Selbstvorwürfe und Rachegedanken erfüllen seine 
Brust. Er schwört in S, L 7b 26ff und U 5b 21 . . 
feierlich, die Mörder hängen zu lassen: 

S 168a 84: „Mais par chelui ki de l’aighe fist vin, 

Quant sist as neuces de saint Archedoclin, 

Se jamais jour en puis seul tenir, 

Jes penderai lassus en tel tierin, 

Si kes verront moult bien li pelerin 
Ki a Saint-Jake en iront le chemin, 

Si le diront en Franche le päys.“ 

In N und v will er zur Sühne des Verbrechens 
seinen Sohn an Anseis (Yonnet) ausliefern, damit dieser 
nach Willkür mit ihm verfahren möge. 

N 140d 34: Et qnant Hernaus voit son cozin morir, 

II a tel duel, a pou n’enrage vis, 

36. A terre chiet entre li et Gerins, 

Et d’autre part se paume Mauvoisins, 

Tordent lor poinz esgrastinent lor vis. 

39. „Las“, dist Hernans, „que porai devenir? 

Mande avoie Girbert en ce pa'is, 

Par traison l’i a mon filz ocis. 

42. Je n’en puis majs par dieu, se poise mi. 

J’en ferai ce qu’ainzmais ne fist hons vis, 

Se le me löent li baron du pais 
46. Que je penrai le mien filz Loeys 
Et liverai au petit Anseis 
Le filz Girbert qui tant par est gentilz. 

48. Si en fera du tout a son plesir, 

De pendre a forches ou de trere a roncins. 

Si m’aist diex, qu’i bien l’a deservi. 

v 309b V: cy vous dir eis du conte Hernault, du 

roy Gerin et Malvoisin lesquelle, quant il virent en leur pre- 
sance le roy Gilbert estre aincy piteusement trahis et a grant 
tort (810a) mort et tueis, eil heurent grant dueil, nulz nou 
mescroie! Car de doulleur qu’il eurent du plus hault d’eulx ce 
laissairent cheoir tout pasmes en terre. Puis quant il revindrent 
a leur parolle, il destourde leur poing et leur mains et detirent 
leur cheveulx tellement, que c’est pitiet de lez veoir. „Haiais“, 
ce dit Hernault, „et que pourait je devenir? Or ait telz dueil 


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(Jue a pouc je ne me tue, raison pourquoy: car je amenait lä 
roy Gilbert en ce pais, aumoins fasse a ma requeste qu’il y 
vint, et mon filz l’ait taeis et murtris en traison. Helas, certes 
je n’en pais may et en ait grant doallear a caer. Mais par 
dien je ferais ce c’onqae home ne fist voir, fait il, ce lez bairohs 
da pais le me lowe: c’est qae je pranrais mon filz Lowis et 
le livrerais a Yonnet le filz Gilbert, poar en faire tont son 
plaisir* pour le pandre noier oa airdre, car il l’ait bien deservis.“. . 

Von diesem Punkte an tritt eine scharfe Trennung 
zwischen den beiden Gruppen N, v und S* U, L immer 4 
deutlicher hervor* In der letzten Gruppe beruft Her 5 - 
naut eine Versammlung seiner Barone* um sofort den 
Kampf gegen Ludie und ihre Anhänger zu eröffnen 
und die Rache an den Mördern auszuführen» Er 
zerreißt die Familienbande, die ihn an Weib und 
Kinder fesseln und entbietet seinen Neffen Anseis 
und dessen Mutter Clarisse, sowie Gerin und Malvoisin 
zu sich. Als Lothringer kämpft er mit den Lothringern 
gegen seine Erbfeinde, die Bordelesen. Eine ein- 
gehende Analyse dieser langwierigen Kämpfe, die 
schließlich mit der Ausrottung beider Geschlechter 
enden, giebt Harff S. 7 — 22*) 

Ganz anders gestaltet sich der Verlauf der Dinge 
in N und v. Als Hernaut die oben erwähnte Drohung 
gegen seinen Sohn ausspricht, stellt ihn ein anwesender 
Abt, ein Verwandter Fromonts heftig zur Rede.: 

N 140d 51: La ot (2.: Es) *1* abä qui fu nez da pais 
e 1. Da grant parage Fromont le postöysl 
Devant Hernaut li abäs ester vint 
3. Et parla haut qae il fa bien ois: 

„Hernaut“, dist il, „ce qae est qae ta dis? 

Prez est ta chars plas qae toz tes amis.“ . . . 
v 310a: .... Alors qae lez parrolle forent dicte et illec 
presant y avoit ang abbä de la lignie de Fromont leqaelle 


*) „Anseis de Mes, Chanson de geste ans dem 13. Jahr- 
hundert“ von Carl Harff. Erfurt, 1885. Progr. Nr. 246. 

4 




50 


c’en vint devent Hernault et parlaifc cy haalt, qu4l fut öy de 
tons. „He! Hernault sire,“ ce dit l’abbe, „mais quelle parrolle 
sont ce que tu ais dit, ne qui vit jamais bomme faire ce que tu 
[veult faire]? Et certe, dit il, en toutte court tu en seroie re- 
prins, car tu dois deffandre ta chair et ton sancgz et le gairentir 
eü tont en droit.“ 

Da der Geistliche den ganzen Hof auf seiner 
Seite hat, muß Hernaut sich fügen. Schweren Herzens 
entschließt er sich, gegen die zu kämpfen, zu denen 
ihn sein Herz und sein Gerechtigkeitsgefühl hinziehen : 
Gott stellt er es anheim, den zu strafen, der soviel 
Unglück heraufbeschworen hat. 

H. v: N. 

Durch den bisherigen Teil der Untersuchung, 
der Kapitel I — IV und den Anfang des Kapitels V 
der Handschrift v (entsprechend N 139d — 140e 15) 
behandelte, ist ein entschiedenes Zusammengehen der 
Handschriften N und v gegenüber der Gruppe S, L, U 
festgestellt. Für die Untersuchung des folgenden 
Teiles der Handschrift v müssen wir uns ganz auf 
eine Vergleichung mit N beschränken, da (wie bereits 
angedeutet) von hier ab jeder Zusammenhang mit der 
Gruppe S, L, U fehlt. Es bleibt festzustellen, ob v auch 
weiterhin sich inhaltlich und in derselben Folge der 
Tatsachen an N anschließt. Persönliche Hinzufügungen 
oder Streichungen Vigneulle’s werden im letzten Teile 
der Untersuchung berücksichtigt werden. 

Eine eingehende Vergleichung ergab für das 
Verhältnis beider Texte folgendes: 

Bis zur Entscheidungsschlacht am Berge La Go- 
helle (v XIII, 317b; N 143e 23) gehen beide Hand- 
schriften Hand in Hand, v stimmt selbst in Einzel- 
heiten genau mit N überein. Aber schon bei der 
Behandlung des Kampfes selbst tritt ein auf den Grund 
gehender Unterschied hervor. Während in N Hernaut 


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— 51 — 

und Malvöisin von Anseis nur schwer verwundet 
werden, werden sie in v von Yonnet getötet. N 144a: 
Qaant Anseys voit son parih morir, (Q. il le v., a pou n’en- 
Si (Dont) le regreste. con ja porez o'ir: [rage viß,|t ) 

3. „Parin,“ dist il, (Sire parains) „con sui por (de) vos maris! 
Et vos venistes por moi (Que por m’amor venis) en cest pa’is; 
(Par moi i estes detrenchiös et ocis) 

Damedieus ait de vostre ame merci!“ 

6. Grant duel demaine li petis AusSys. 

Lors a jure le roi de paradisi 

S’il ne se (Se ne s’en) venge, prisera soi pefcit. 

9. Le cheval point a l’esperon massif 
Et va ferir Hernant le palasin, 

Grant cop li done sor son escu votis, 

12. Desor la boncle li a fret et malmis 
Et le hanberc deront et desarti 
Et fer et fast li mist parmi le pis. 

15. Ne Pa pas mort, mais navre l’abati, 

Devant *1* mois ne sera bien garis. 

v XIV, 319a : . . . et illec en son chemin a trouvös le corps 
de son pairain snr leqnel il s T aresta et dit: „Ha noble roy, le 
donlx Jesn aye de votre ame mercy! Helas, pour moy vanger 
vous esteis venus morir en ce päys et pour mon amour vous 
esteis destrerchiez et occis dont j’en snis correscez et dollent. 
Helas, se je ne vous vange, bien pen me prise. Et certe mon 
chier pairain, vous en ser6s vangiös, se je en eschappe vif, on 
j’en monrray en la painne, moy qni suis ponvre orphellin.“ Alors 
broncbe en son conrrous le cheval des esprons, et le premier 
qn’il rencontre se fut Hernanlt anquel il donne nng si grant 
conpt snr son escus que audessonbz de la boncle luy froissit et 
partnsa le haubert, et le ponrpoint passa tont oultre tellement, 
qu’il le fanlcit de part en part, et tont mort il Pabatit. Cy 
cheut Hernanlt illec devent ces piedz les esprons en hanlt, jambe 
levee ancontremont. 

N 144b 44 : Li fiz Girbert fn Chevaliers de pris, 

L’espee trete se rest en l’estor mis; 

Qni il ataint il est de la mort fis. 



*) Die Varianten zu 1— 11 in ( ) stammen ans dem Doppel- 
texte 143*a 40-51; s. S. 62. 


4* 


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47. En reßtor a encontrö Mauvoisin, 

Grant cop li donne sor son elme bruni, 

Qne flors et pieres en fet aval sallir; 

60. Deci a Tos du test, ce m’est avis, 

Li fet conler le branc d’acier forbi. 

c 1 Mauvoisins chiet pasmös toz estordis, 

Dont cnidoit bien qne il fast occis .... 
v 320a: . . . car qui il (i. e.: Yonnet) estaint il est tont 
assenreis de mort. Et en 8a grant yre et desirant de se van gier 
a rencontres Malvoisin anqnel il donna nng si grant coupt snr 
son heaalmes, qne fleurs et pieres en abatit, ne ne lny vallut 
la coieffe qu’il pourtoit, le vaillant d’un tournois, qne tont jnsqnes 
an menton ne le parfandit et d’icelluy copt devant ses piedz 
mort l’abatit .... 

Im übrigen schließt sich v XIV noch sehr getreu 
an N an. Von Kap. XV an entfernt sich v jedoch 
immer mehr von seiner Vorlage. Während N zunächst 
des längeren berichtet, wie Gerin seine schon totge- 
glaubten Freunde am Leben findet und in die Stadt 
schaffen läßt, erwähnt v mit einigen Worten nur die 
Tatsache des Auffindens der Leichen und ihre Bei- 
setzung in Lens. 

N 144d 26 : Or le lerons *1* petit d’Anseys 

Qni fn venus a Aras la fort cit! 

Si vos dirai du riche duc Gerin 

29. Qui fn on cbamp monlt dnrement maris .... 

32. Regardez c’est li riches dns Gerins 
Et ne voit mais ne parent ne cosin; 

Qne toz sont mort detrenchiö et ocis. 

35. Et qniert son frere Hernant le palazin, 

Si l’a trovö desor l’ombre d’un pin .... 

39. A lni s’areste son chier frere Gerins, 

Cnida qu’il fust du siede departi. 

Il le regreste, con ja porös oi'r : 

42. „Tant mar i fnstes Hemans li poitevins! 

Frere gentis, si mar onqnes vos vi, 

Vostre proesse, vostre mervillex pris. 

46. Qni vos a mort, il est mes anemis .... 

48. Ne l’amerai, tant con je soie vis, 


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53 


Si l’avrai mort, [en]si com il a ti.“ 

Aprez ce mot da cheval descendi, 

51. Vient a son frere Hernaut le palazin. 
e Si con Gerins l’aproche li marchis, 

Choisit Hernaus son frere cengloutir, 

3. De pamoison se redre^a et vint, 

Euvre les iex, si regarde entor li. 

Gerins le voit, a escrier c’est pris: 

6. „Vis tu, biax frere, por dien de paradis? . . . . 
10. Le vostre euer, por dieu con se sent il?“ 

Et dist Hernaus: „Flebement, doz amis. 

12. Li cuers me faut, ne me puis sostenir, 

Si m’a navrö mon couzin Anseys, 

Par Chevalier onques mes ne fui si. 

15. Vez ci le fer de son espiä forbi 

Qui en Pespaulle m’en est demorez ci, 

Ostez le moi, frere, je vos en pri!“ 

18. Gerins Pentent, si l’a tire a li, 

*1* rai de sanc apräs ce en issi .... 

25. Puis sont alez au gentil Mauvoisin. 

Tant ot saigniä qu’il fu descoloris, 

De paumoison fu venus li marchis, 

28. Remontez fu et ot son escu pris. 

A vois escrie: „Sire Gerins cosinz, 

Ou sont alez nos mortez anemis? 

81. Por Pamor dieu qu’avez fet d* Anseys, 

L’avez vos mort ou retenu ou pris? 

Combien qu’il fast nos mortex anemis, 

84. S’est il dolor, se voz Pavez ocis, 

Que a son droit c’estoit il a nos pris .... 

48. Por dieu Gerins, quel part est Anseys? 44 
Et il respont: „Par ma foi, dous amis, 

Se que de gent a ensemble acoilli 
51. Vers Aras vont, de ce sui je toz fis.“ .... 
f 24. Qu*nt Gerins ot Mauvoisin le gerrier 
Qui de repos et d’aide a mestier, 

Lui et Hernaus qui le corage ot fier 
27. Dont commanda le champ a recerchier 
Et les navrez en litiere couchier. 

Ceus font porter a Lenz tot droit arriei, 

30. Venir font mires por eus apparillier 


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54 


Et pour lor plaies rebender et loier .... 

37. Hernant en portent qui pou se pot aidier 
Et Maavoisin qui ne pot chevauchier .... 
v 320b, XV: Come cy devant av6s öys fut, despartie la 
mellee pour celle fois et se mit Yonnet a saulvete luy et les 
siens dedans Arras et demeura le roy Gerin victorieulx. Mais 
il se trouva moult dollent et esbahis; car quant il regarde en- 
tour de luy et vit quMl n’y avoit plus parens amis ne Cousins 
par quoy il peult tenir sa guerre. Et alors quert son frere le 
conte Hernault parmej (321a) les mors, si le trouva la faice gisent 
contre la terre qui estoit tellement ensenglenteis, que c’estoit 
piti6 de le veoir. D’aultre couste trouva le conte Malvoisin 
qni pareillement estoit tout desplaies la faice paille descoulloreis 
et tainte. Lors ledit Gerin lez resgairdant de euer souspire et 
plusieurs complaintes et lamentacions en fist, et puis fit prendre 
les deux corps et les en fit pourter k Lans sor deux escus, et 
tout droit a la grant eglise les fireut posäs et mis. Alors 
veissiens venir evesques abbeis et prieurs et gens de devotion 
et contemplatif avec grant luminaire et encencier d’argent, pour 
veillier entour des corps. Puis illec se sont assis et ont dit 
vigilles le^ons et Bouffraiges en priant a dieu que de l’ame des 
trespassez aie merey .... 

Während ferner in N Ludie von Gerin nur mit 
Vorwürfen überschüttet wird, aber einem Versuche, 
sie zu töten, entrinnt, läßt v sie durch Gerins Hand 
sterben und an der Seite ihres toten Gemahls und 
Malvoisins im Dome beisetzen: 

N 144f 41 : Mauvoisin font porter sor le planchie, 

Hemaut aprös le poitevin gerrier. 

Voit le Ludie, si commence a huchier: 

44. „Lasse dolante, si mortel enconbrier! 

Hai Hernaus filz de bon Chevalier, 

Cil qui vos sout si let aparillier, 

47. Je proi a dieu qu’il l’en doint son louier.“ 

Gerins l’entent, le sanc cuide changier: 

„Ahi mauvesse,“ ce dit Gerins li fier, 

50. „Par toi est tot venu cest enconbrier. 

Par la foi dieu tu le comparas chier.“ 

145a: Lors met la main a Pespee d’aeier. 

Quant Ludiane l’i par$ut aprochier, 


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55 


3. Si ne ce fet pas de foi'r proier, 

Dedens sa chambre c’est corüe glacier, 

Isnelement corut 1’us verroillier, 

6. Qu’en preu Gerin n’en ot que corecier 
Qae eschapee est la malle moillier .... 
v 321a XV : . . . Les barrons et les bourgeois de la cit6 
y sont venns et firent grant cris et lamentacions par l’amour 
des denx seignenrs. Entre iceulx y est venne dame Ludie la 
fanlce femme laquelle, quant eile vit Hernault son bon seignenr 
aincy mort et murtris, se lessa cheoir tonte pasmee dessns le 
corps. Mais qnant le roy Gerin la vit, a pen ne fnt d’ire et de 
conrage enraigie et dit aincy: „Vas“, dit il, „ maul vaise femme, 
que le vray corps dien te mauldie et te puisse confondre et 
envoier en enffer. Quant par toy somes aincy deceups et trahis 
.... par toy sont mors tant de vaillans gens et des Chevaliers 
de sy grant pris. Mais certe, faict il, tu l’acomparrais, se dieu 
me donne vie et sentä!* Et en disant les mots tira son espee 
de laquelle il donna a Ludie ung si grant coupt dessus le chief, 
qu’il lny a fendus la teste en deux moitiet et l’abatit morte 
sur le paveis. Les barrons du päys estant illec furent de ce 
bien embabis, touteffois fut la chose ainsy faicte et eurent la 
paciance. Puis la firent ensepvellir avec le conte Hemalt son 
marrit; de l’autre part et asseis preis firent enterrer le gentil 
conte Malvoisin .... 

Nach der Episode mit Ludie läßt Gerin in beiden 
Handschriften Lowis zu sich rufen, um ihn zum 
Frieden zu veranlassen. Abweichend sind in dem 
Wechselgespräche der beiden die Stellen wieder- 
gegeben, in denen Ludie, Hernaut und Malvoisin Er- 
wähnung finden. In v nicht übernommen ist ferner 
die Bemerkung des Anseis über das Weib und den 
verwaisten Knaben des Herzogs Amaury: 

N 145c 21 : Et s’ai perdu mon cozin Amauri 

Dont grant dolor avra en son pais, 

Quant le savra sa moillier et son fil 
24. Li jones enfes de Dijon Amauris 
Qui n’a au cor que *X* ans acomplis; 

XI sera moult de son pere marris. 


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56 


Ganz verkürzt sind die Worte wiedergegeben, 
mit denen der Gesandte dem jungen Anseis die Ver- 
luste seines Vetters Loeys schildert und sich über die 
augenblickliche Lage der Bordelesen ausläßt: 

N 145c 31: „Par ma foi sire“, li mesages a dit, 

„Dont est li jeus bien loiaament partis: 

33. S’avez perdu, il n’ont noiant conquis, 

Que de sa gent a tant ou champ ocis, 

Que par cors d’orae n’i seroit nombre mis. 

36. Toz li lignages Fromont le posteys 
Fu ier ou cbamp detrenchiäs et ocis 
Fora seulement quens Berengiers li gris. 

39. Mais eil se tient en son riebe pa'is 
Droit a Boloigne o c’est ses edefis .... 

48. Bauche li cors n’est pas en cest pa’is 
Qui ja tenoit et Flandres et Pontis, 

Outre mer est ou diex fu mort et vis 
d 1. Au saint sepnlchre, -XV* anz a acomplis, 

II ne venra jamais en ce pa’is; 

3. C’en doit pezer vo couzin Loeys, 

Que il en est raainz doutez et cremis. 

Hernaus son pere se gist si mal baillis 
6. Que vos navrastes ou grant estor fornis, 

Ne gardons Teure que rende l’esperit. 

Ancor est pis atornez Mauvoisins. 

9. Si con je croi et moi en est avis, 

Ja ne vivra *XV* jors acomplis. 

Vos avez si triboulä cest pa’is, 

12. Que en vertus ne sera jamais mis, 

Et vos et eus en estes apovris. 

Ne sai lequel en a ett au pis; 

15. Mais diex commande, et Toi et est escrist 
Que li plus humbles s’umelie toz diz, 

C’il veust avoir part en son paradis. 

18. Por ce vos proie vostre cozins Gerins 
Et Loeys (et) menaides et mercis 
Que pardonnez et le mal et le pis 
21. Et fetes p&s et soiäs leur amis, 

Ou autrement sont du pechi6 eschis, 

Quant il vos proient si humblement mercis 


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57 


24. Ooment qu’il soit, il sont vostre couzin, 

Vob n’avez plus ne parent ne amis.“ 
v XVI, 822a: . . . „Ha chier sire,“ se dit le messaigier, 
„ne pensös plus a iceulx que vous dicte, ains trouves la manier 
que celle paix se faice et que desormais nous soiens parens et 
amis, et lessez, dit il, les mort aux mors et les vifz aux vifz; 
car vous s$av6s chier sire qu’il ait perdus le conte Hemault 
son pere lequel luy aves destrenchi&s et occis pareillement son 
cousin Malvoisin. Puls le roy Oerin luy a tue dame Ludie sa 
mere, et la tua hier soir en vangeance de la mort du roy Gil- 
bert votre chier pere laquelle choses vous debveroit bien zouffire. 
Quant l’enffant öyt que lafaulce fern me Ludie estoit morte, oncques 
ne fut si joieulx en sa vie et fut tout rapaisantäs a celle fois . . . . 

Während also (wie aus den vorstehenden Text- 
proben ersichtlich) in v Yonnet hauptsächlich durch 
die Nachricht von der Justiz an seiner verhaßten 
Feindin Ludie zum Nachgeben bestimmt wird, bewirkt 
dies in N vorzüglich der Einfluß der überzeugenden 
Worte des Gesandten. Die Schilderung der Rückkehr 
des Friedensboten und der Versöhnungsscene sind in 
beiden Handschriften entsprechend wiedergegeben. 
Jedoch geht die Darstellung der Demütigung des 
Lowis in N mehr ins Einzelne, während v beträcht- 
lich kürzt und sich auf einige allgemeine Phrasen 
beschränkt : 

N 145f 1: Puis li a dit: „Merci, sire couzins, 

Prenez m’espee franz Chevaliers gentis 
3. Et me copez le chief, je vos en pri! 

Par la foi dieu je l’ai bien deservi. 

Et nonporquant par dieu de paradis 
6. Se me fist fere ma mere Ludiis, 

Je fui du fet de l’anemi sorpris. 

Pren en venjance, biax cozins Anseis! 

9. Ansi con diex pardonna a Longin 
Qui de la lance ou costä le feri, 

Jel te pardoing ainsi, se tu m’ocis, 

12. Et c’il te plest que je demeure vis, 

A toz dis mais veul estre te®, sougis. 


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Ja n'avras gerre en si lontaing pais, 

16. Ne vo8 sequeure a ‘VITM* fervestis 
A cleres armes et a chevax de pris. 

Por dieu couzins, aiez de moi mercis!“ 

18. En crois s’estent droit au piez Aus eis, 

Aprez li tent le branc qui fu forbis .... 

v XVI 822b: ... et come se sentant da cas coapable a 
cbaulde lairme print a ploirer et se mist da toat a sa mercy. 
Pais en se lameatant a haulte vois print a crier et dit: „Ha 
sire peirre dieu pardon n6s a ce povre chetif“ .... 

Nach dem Friedensschlüsse begiebt sich Anseis 
mit der Leiche seines Paten nach Köln. N schildert 
diese Fahrt ausführlich und berichtet dann, wie der 
Thron des Königs Anseis auf sein Patenkind übergeht: 

N 146b 17: Granz fu li dues la roioe au vis fier, 

Sa gent commence la dame a aresnier. 

„Baron“, dist eile, „nobille Chevalier, 

20. Mors est li rois qui tant nos avoit chier. 

Je n’ai enfant fille ne hiretier, 

Ne plas ne veal roiaume justicier. 

23. Voiant les princes qui sont en ce mostier 
Doing mon filluel tont mon pais plenier. 

Je serai nonne la dedens P mostier, 

26. Pour mon signeur vorai adfes proier.“ 

Li baron dient: „Bien fet a outroier.“ 

Font li homage de bon euer et d’entier, 

29. N’i a celui qui l’en feist dongier, 

Et toz le tinrent a signor droiturier. 

Or est plus riches c’onques mais la moittö 
32. De *11* roiaumes dont il a le dangier. 

v erwähnt von der Fahrt nichts. Nur ganz bei- 
läufig wird v XVII 323a gesagt: .... Touteffois comme 
la vraie cronicque le met y je trouve que par succession de temps, 
je ne 89a a quelle occasion, s’en alla le gentil Yonnet ce tenir 
a Collongne dessus le Bin, luy et sa mere et plussieurs aultres. 
Et par faulte de lignee possedoit toutes les terres du roy Gerin. 

Daß Vigneulle Yonnet hier als Nachfolger König 
Gerins bezeichnet, ist vielleicht dadurch zu erklären* 


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59 


daß er, oder auch schon seine Vorlage, G-erin und 
Anseis, die ja beide als Könige von Köln in der Loth- 
ringer Geste bekannt sind, mit einander verwechselte. 

ln den beiden letzten Kapiteln wendet sich v 
ganz von N ab. Beide Handschriften beschäftigen 
sich zwar des weiteren mit dem von neuem durch die 
Schuld des Lowis ausbrechenden Kampfe. Aber die 
Motive zum Streite und der Verlauf der Zwistigkeiten 
sind derartig verschieden behandelt, daß keinerlei Zu- 
sammenhang festzustellen ist. Da Vigneulle jedoch 
besonders in diesen beiden Kapiteln sich wiederholt 
auf seine Vorlage beruft (s. den Text im Anhang), 
haben wir keinen Grund anzunehmen, daß er, um zu 
kürzen, den eigenartigen Schluß als Produkt eigener 
Phantasie hinzugefügt habe. Es liegt viel näher an- 
zunehmen, daß seine uns nicht bekannte Quelle ent- 
sprechend dem Schlüsse seiner Prosabearbeitung das 
Ende des Anseis und Loeys beschrieben hat.; 

Zum Verständnis für die Weiterentwickelung von 
N sei hier eine kurze Analyse von 146b ff gegeben: 

An einem Ostertage im Anfänge des April ver- 
abschieden sich Malvoisin und Gerin von Hernaut, um 
in ihre Heimat zurückzukehren. Ungern sieht Graf 
Hernaut sie scheiden. Auch er will jetzt nicht mehr 
in dem Lande bleiben, in dem er so viele Freunde 
und Verwandte aus dem Geschlechte der Lothringer 
verloren hat. Trotz des Widerstrebens seiner Gattin, 
die in Lens inmitten ihrer Anhänger wohnen bleiben 
will, hält er an dem Plane der Übersiedelung nach 
Gironville fest und setzt entschlossen die Abreise durch. 
Zu Pfingsten trifft er mit seinen Angehörigen in Bor- 
deaux ein, wo sie von der Bevölkerung mit Jubel auf- 
genommen werden. Mancherlei Festlichkeiten finden 
zu Ehren der Angekommenen statt. Aber trotz aller 



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60 


Zerstreuungen ist Hernaut finster und in sich gekehrt. 
Iipmer wieder kehren seine Gedanken zu seinem toten 
Freunde Gilbert zurück. Um die Gesinnung seines 
Sohnes zu erforschen, stellt er eines Tages an ihn die 
Frage, ob er seine Mordtat aufrichtig bereue. Un- 
verblümt giebt Loeis zur Antwort, daß ihm die Tat 
keineswegs leidtue; er bereue nur, Anseis nicht auch 
getötet zu haben, dann würde wenigstens keiner der 
ihm verhaßten Lothringer mehr leben. Ergrimmt 
über diese neue Frechheit seines Sohnes schlägt Her- 
naut ihn mit einem Faustschlage nieder. Ludie, die 
bei dem Auftritte zugegen ist, reizt durch ihr Jammern 
und durch ihre Reden Loöys auf, der emporspringt 
und seinen Vater mit einem Gestell erschlagen will. 
Ein Seneschall wirft sich zwischen Vater und Sohn. 
Ihn trifft der Schlag, der Hernaut gelten sollte, so daß 
er tot niederstürzt. Hernaut ruft seine Ritter herbei, 
die den Rasenden, der sich verzweifelt zur Wehr setzt, 
durch Anlegen von Fesseln unschädlich machen. 
Seinem Weibe und seinem Sohne schwört der Graf 
furchtbare Rache. Außerhalb der Stadt läßt er Loöys 
hängen. Ludie soll ihre Untaten mit dem Feuertode 
büßen. Als sie hiervon hört, beginnt sie jämmerlich 
zu klagen. Doch kurz entschlossen rafft sie sich auf 
und entsendet einen Boten an Berengier le gris nach 
Boulogne mit der Bitte um schleunige Hilfe. Beren- 
gier und Bauche, der soeben aus fernen Landen zu- 
rückgekehrt ist, brechen sofort mit einem gewaltigen 
Heere gen Bordeaux auf. Sie schwören, Hernaut 
Land und Leben zu nehmen. Einen zweiten Boten 
entsendet Ludie an Guillaume, den Sohn Blancheflors, 
der ihr mit Beraut zu Hilfe eilt. — Mittlerweile hat 
Hernaut alle Vorbereitungen zur Hinrichtung getroffen, 
bei der auf seinen Befehl 4000 Ritter als Zeugen 


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ei 


zugegen sein sollen. Ludie wird mit Gewalt aus Bor- 
deaux heraus zum Scheiterhaufen geschleppt. — In 
dieser^ Augenblicke kommen der Fürst von Blanche- 
flor und Beraut mit 7000 Bittern an. Als Hernaut 
die Feinde bemerkt, läßt er Ludie in den Palast zu- 
rückschaffen und bewachen. Es entspinnt sich ein 
harter Kampf. Schließlich muß Hernaut der Über- 
macht weichen. Mit genauer Not entkommt er mit 
den Überresten seines Heeres nach Bordeaux, von wo 
er Boten an Gerin, Malvoisin und Anseis entsendet, 
die ihm mit stattlichen Heeren zu Hilfe kommen. 
Zwei Meilen von Bordeaux entfernt schlagen die Ver- 
bündeten ein gemeinsames Lager auf. Mittlerweile 
rücken auch Bauche und Berengier mit ihrer Armee 
heran. — Am nächsten Morgen bricht Hernaut aus 
Bordeaux aus, um zu seinen Freunden zu gelangen. 
Bauche rückt in die Stadt und befreit Ludie, die er 
zu ihrer Sicherheit nach Gironville schickt. Dann 
folgt er Hernaut, den er mit 30 000 Mann im Rücken 
angreift, während Berengier dem Grafen auf der 
andern Seite mit seinen 40000 Mann den Weg ver- 
legt. Hernaut erliegt der Übermacht. Mit 10 Rittern 
entkommt er und flieht seinen Freunden entgegen. 
Jetzt greifen auch Anse’is und seine Bundesgenossen 
in den Kampf ein. Aber selbst die größte Tapferkeit 
vermag nicht die Übermacht der Bordelesen zu brechen. 
Am Abend sind die Lothringer vollständig geschlagen. 
Zeltlager und Lebensmittel müssen sie den Feinden 
preisgeben, die jetzt Herren von Gironville und Bor- 
deaux sind. (N 148e 21). 

Von hier ab schließt sich N an L (92a 18) und 
S (229b 5) an, mit denen es bis zum Ende der Chan- 
son d’Anseis zusammengeht. (cf. Harff S. 16 ff.) 


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62 


Aus der vorstehenden Untersuchung ergiebt sich, 
daß die Prosabearbeitung v in Kap. I — XVI (306b — 
322b) mit der Gruppe N zusammengeht. Wenn die 
Handschriften auch von Kap. XIV an in manchen 
Punkten auseinandergehen, so ist diese Abhängigkeit 
doch als erwiesen zu erachten. Daß Philipp die mir 
vorliegende Handschrift N als Vorlage zu seiner Arbeit 
benutzt habe, läßt sich aber höchstens für Kap. I — XIII 
seiner Prosawiedergabe annehmen; für den übrigen 
Teil muß er eine andere Quelle benutzt haben. Für 
die Richtigkeit dieser Annahme spricht besonders 
folgender Umstand: 

In der mir vorliegenden Handschrift N finden 
sich nämlich scheinbar in engem Anschluß an 143*a 
40 — 51 (s. S. 51) auf 143*f 1 ff. folgende Verse: 

[D]ont maintenant va Ludie sesir 

[Et a]hauci6 le branc d’acier forbi 
3. [Et] fiert Ludie, si la paia Gering, 

[L] e chief li trenche sans nes *1* contredit, 

[M] oult s’en esmaient li baron du pa'is. 

6. [M]ais il n’i ot si preu ne si hardi 

[Qui] en ait onques blame le roi Gerin. 

[D]elez Hernaut la firent enfo'ir 
9. [Et] d’autre part remestent Mauvoisin. 

[GJrant dolor ont li baron du pais. 

[Puis] sont montez sns le palais voutis. 

12. [Pre]miers parla le riche roi Gerins 

[Et] appela son neveu Loeys: 

„[H]a*i biax ni6s, con tu nos as trais, 

15. [Car] tu as mort Girbert le mien cosin. 

[0]r as perdu ton pere le marchis 

[Et] moi mon frere que je amoie si 
18. [Et] mon cousin le gentilz Mauvoisin. 

[Nos] n’avons mais ne parent ne ami 

[TJrestoz sont mort detrenchiä et occis 
21. [F]ors seulement le petit Anseys 

[L]e filz Girbert qui estoit nos Cousins: 

[Ajinz de mes iex tel Chevalier ne vi! 


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63 


24k [J]e loeroie par dien de paradis 

[Que] tu mandasses ton cosin Anseys 
[P]es et acorde, c’il la voloit tenir.“ 

27. [L]oäys Pot, a mervelles li vint, 

[D]res8e sa main et a saignie son vis. 

,,[S]ainte Marie“, dist il, „qu’avez vos dit? 

30. [Com]ment poroit la pes a nos venir? 

[J’]i ai perdu mon pere Je marchis 
[Et] mon neveu le bon duc Mauvoisin, 

33. [D]ame Ludie dont j’ai le euer raarri 
[M]a douce mere que vos avez occis!“ 

„[Par] ma foi ni6s“, ce dit le rois Gerins, 

36. „[Si] ra perdu vo cousin Anseys 

[S] on gentil pere Girbert le Signori 
[L]e mien cosin que tu li occeis. 

39. [Et] s’a perdu le bon roi Anseys 

[L]e sien parin dont il est möult marris, 

[Et] por s’amor s’en vint en ce pai's 
42. [L]a ou il est detrenchiös et occis. 

[Et] s’a perdu son cosin Amauri 
[Et] avec lui maint Chevalier de pris. 

45. [L’]un soit por l’autre de celz qui sont occis 

[T] u as son pere ausi a la mort rais, 

[L]e tien ra mort, la venjance en a pris. 

48. [B]ien puet la pes de vos -II* avenir.“ 

[T]ant li proia et dist li rois Gerins, 

[Que] il li a et creante et dit 
51. [Que] il fera du tout a son plesir. 

Diese Verse finden sich in N mitten in die 
Schilderung des Entscheidungskampfes eingefügt. Sie 
schließen unmittelbar an die Scene an, in der die 
Alemannen nach dem Tode ihres Königs die Flucht 
ergreifen (143*a 21 ff.) und Anseis an der Leiche 
seines Paten klagt, um sich dann von neuem ins 
Kampfgewühl zu stürzen (143*a 40 — 51.) Nachdem 
die Handschrift dann die oben angeführten 51 Verse 
gebracht hat, wiederholt sie 144a 1 — 11 mit einigen 
Varianten die Verse 143*a 40 — 51 (vgl. S. 51) und 


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fährt dann fort. In der Handschrift sind die Verse 
143*a 40 — 51 und f 15 durchstrichen, 2 k des Blattes 
(die Spalten b — e nebst den Initialen von f) ist abge- 
schnitten. Der Strich sollte offenbar zur Ecke der 
Spalte links unten gehen» 

Ich nehme an, daß die Vorlage von N mit Blatt 
143* abbrach und der Kopist zu einer neuen Vorlage 
greifen mußte, oder daß Blatt 144 ff. von einem anderen 
Kopisten herrühren. Da Blatt 144 mit der bereits 
Blatt 143*a 40 ff. niedergeschriebenen Stelle beginnt, 
mußte von Blatt 143 alles weggeschnitten oder 
durchstrichen werden, was sich in Blatt 144 wieder- 
holte. Auffallend ist nun, däss diese 12 [204] und 51 
Verse den entsprechenden Versen der Handschrift N 
145a und b in einigen wesentlichen Punkten völlig 
widersprechen und im übrigen den Tatbestand be- 
deutend gekürzt geben — dagegen mit v genau Zu- 
sammengehen : Hernaut und Malvoisin fallen im 
Kampfe, Ludie wird getötet. — Vergleiche die Text- 
proben aus v XIV und XV (Seite 51 — 57), denen 
ich noch die weitere Darstellung des Kap. XV 
hinzufüge : Or sonfc tous morz de celle lignie, dien leur face 
et piti6 et mercy; car de tous tant qu’ilz en estoient et d’ung 
coust6 et d’aultre il n’y a plus que le joune Yonnet et ledit 
roy Gerin, parquoy les seigneurs et bourgeois demenerent moult 
graut dueil de pleurs de plaius et de cris tellement que c’estoit 
piteuse chose a öyr. Alors retournerent sus ou pallais, et quant 
le roy Gerin y vint apr&s plussieurs parolles si appella Lowis: 
„Ha Lowis, faict il, par ton meffaict et oultraige j’ay perdus 
Gilbert mon cousin, pareillement mon frere le preux Hemault 
le tien chier pere qui souueffement te avoit nourri, aussy y 
est mort le bon conte Malvoisin notre cousin. Or n’averös 
plus ne amis ne parens qui ne soient mors destrenchiös et occis 
fors seullement le petit Yonnet qu’est tant vaillant, car oncques 
de mes yeulx et de son eaige ung pareil Chevalier ne vis. Et 
pour ce, dit il, par dien je loueroie et avec ce je te conseille 


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— 65 — 

tyue tu le mandisse et qu’il viengne icy ponr faire paix et ac- 
cort et que noug fnissiens essemble bons amis.“ De ces pa- 
rolles Lowis se donna grant merveille, se leva la droicte maiii 
en hault et en fit une grant croix dessus sa face et dit: „Sainctö 
Marie, ce dit Lowis, mais qu’esse que (321 b) vous dictes et co- 
ment ponroie je faire paix, quant il m’a aujourduy tues mon 
pere le meilleor et le plus essures Chevalier qui sur la terre 
merchit? Et pareillement le bon conte Malvoisin. Puis vous 
av6s tu6s ma mere de quoy j’en a dueil et tristesse et n’est 
possible de me resjolr.“ „Ha Lowis a , se dit le roy Gerin, „ne 
vois tu pas qu’ilz ont tant perdus eulx mesmes? Car premier 
tu accommen9a et luy tuas son pere qui estoit Chevalier si re- 
nommeis que au monde n’avoit son pareil. Apr&s il ra perdus 
tous ses consors, c’estoit de son pairain le roy Ancei's lequel 
estoit venus par dessa pour luy aidier et secourir, mais il est 
mort et luy avons destrenchies et occis. Oultre plus il a per- 
dus Amaury de Dijon, de quoy c’est piti6 et dommaige de la 
mort de tant de vaillans Chevaliers qui sont esteis mort pour 
celle offen ce que toy meisme a commis. Et pour ce me semble, 
ce dit Gerin, que le meilleur seroit de faire paix; car tu la peulx 
bien souffrir.“ Or le sermonna tant le roy Gerin, qu’il s’y accor- 
da voulcist ounon, jay ce que ce fut bien envi. Toteffois il le cranta 
et luy en donna la cherge de en faire du tont a son plaisir. . . 


D. Schlussbemerkung. 

Es bleibt noch zu erörtern, in welcher Weise 
Vigneulle das ihm vorliegende Material verwertet hat 
Große Selbständigkeit und eine kunstvolle dichterische 
Wiedergabe können wir von ihm nicht erwarten. Bei- 
tont er doch selbst am Schlüsse seiner Bearbeitung: 
Si vous prie ou nom de dieu que prenez en grey l’euvre; car je 
vous advertüi qu’elle n’est pas mise en cy beaulx termes, comme eile 
deubt estre, mais y ait biaucopt faillis par ce que je n’ay pas 
l’ars ne la Science et aussy je ne Ta faict sinon pour mon passe- 
temps et plaisir. — Er hat sich sehr eng, oft wortgetreu 
an seine Vorlage angeschlossen. Nur ganz gelegentlich 
zeigt er eigenes Schaffen, das sich auf einige Berichti- 

6 


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66 


gungen, Erweiterung von Schilderungen und Zusätee 
verschiedener Art beschränkt. 

a) Berichtigungen. 

Nach N 139e 33 läd Hernaut in seinem und 
Gerins Namen Gilbert zu den Festlichkeiten nach Lens 
ein* Die Boten sagen zu Gilbert : 

„Salus vo8 mande Hernaus li palazins 
Et 8on chier frere le riche roi Gerins 
Qu’a pentecoste vos les venez ve’ir.“ 

N widerspricht sich hier, da nach 139d 32 Gerin 
sich nach Köln begeben hat: 

Lors Bont li conte sevre et departi 
Qu’a Coloingne s’en est alez Gerins . . . 

v II beseitigt diese Ungenauigkeit, indem Hernaut 
durch einen Gesandten auch Gerin von Köln zu sich 
bitten läßt. 

Nicht nachzuweisen ist, ob Yigneulle bei ab- 
weichenden Angaben von Zahlenverhältnissen hat be- 
richtigen wollen. Solche ungenauen Wiedergaben sind 
häufig: 

N 142b 9: Aiuz li fera secors Sans contredit 

A ’XXX’M’ de gent de ce pais .... 

V YIH: .... et comme j’entens il leur ait promis de a 
tont # XX # mil combattans le secourir. 

Ludie spricht N 142e 1 zu Hernault von dem 
Schatze Fromonts: 

Ne le pouroient porter -XXX’ roncin. v X: j'ay ung 
tresor lequel ne vistes encor jamais ne vous ne aultre, et fut a 
mon pere le viez Fromont et Pa si bien gardez depuis sa mort 
et renforciö d’or et d’argent, que il y a la Charge de XX* roncins 
et encor plus que je ne dis. — 

N 143e 14 sagt von den Truppen Yonnets: Par 
droit esgart sont \LXX* mil, v XIII : car quant ilz furent tous 
assembles ilz estoient bien 'XL* mil de bonnes gens et plus de 
•XV* mil des poursuivans. 


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— 67 — 

Desgl. spricht N 143f 9 von den Truppen Hernauts: 
Quant sont au chanz, bien sont *L* mil 
Et bien •VITO por [le] chastel tenir 
Du grant parage Fromont le posteys. 

V XIV: et quant ilz furent tous assembtes, ilz furent 
environ *XL* mil, tous gens de faict preux et hardis, et enviroil 
•VIIc* de la gent de Fromon et partie de son paraige. 

N 144c 5 ff. bedauert Anseis den tötlich ver- 
wundeten Malvoisin: 

Tant mar i fustes, biax sire Mauvoisins! 

N’a pas T an passd ne acompli, 

Ains que fust mors mon pere li marchis, 

Que ne fust hons qui fust de mere vis, 

Sa * lirC ‘ leues vos eüst mort de ci, 

Que a m’espee ne Testeüt morir . . . 

V XIV : Ha Malvoisin vaillant Chevalier, la malle venue 
que aves faict icy. Helas, fait il, il n’y a pas encor ung an, 
avant que mon pere fut tues, que s’il y eust chacun homme de 
mere nez ne tant fut ilz corraigeux ne hardy et il vous eust 
tud ou faict aulcun desplaisir ne tant fut demourant a cent li * 
eues d’icy, que de ceste espee ne l’en coveint morir . . . 

Anse'is wird von der Verwandtschaft Fromonts 
plötzlich in großer Übermacht angegriffen. N 144c 32 
sagt: 

Plus de *V-C- li sont avant sallis 
Du grant parage Fromont le posteis. 

V XIV : Alors plus de trois cent du grant paraige de 
Fromont en sont saillis avent. 

Besonderes Gewicht ist auf solche widersprechende 
Zahlenangaben überhaupt nicht zu legen, da diese ja 
auch in den älteren Handschriften mit großer Willkür 
behandelt werden. 


b) Erweiterung von Schilderungen, 
v II: Die Gemahlin Gilberts sucht ihren Gatten 
zu überreden, von der Fahrt nach Lens abzustehen: 
„Ha sire,“ ce dit la dame, „qu’esse que vous dictes ne quelle 

B ♦ 


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— 68 — 

promesse aveis vous faictez? Pour dieu mon chier seigneur je 
vous prie: N’y ailleis mye! Helas vous s$aves, dit eile, que a 
Lans et ou pais entour vous aveis plusieur annemis eutre 
lesquelle y est dame Ludie qui vous heit a mort, come on dit 
pour l’amour de son frere Fromondin que aveis tueis en l’er- 
mitaige dedens le bois, come vous sgaveis. Parquoy je me doubte 
et me le dis le euer que, ce vous y ailleis, tairt en vanreis a re- 
pairtir, ne jamaix vous en retournereis en vie. u „Ha dame,“ 
ce dit le roy, „laisseis or toutte cez follie! Mais panBeis vous 
que Hemault soit cy meschant home, luy qui est seigneur de 
Lans et. avec ce est mon cousin, qu’il m’en advenist aulcuns 
malz ne que on m’en eust faict aulcuns desplaiBir? II ameroit 
mieulx, dit il, qu’il ne fut oneque esteis nes, qu’il le deust per- 
mestre ne souffrir. Et pource dame ne m’en parles plus, car 
se a dieu plait, je yrais demain et avec moy y vanrais Yonnet 
mon filz.“ 

Yigneulle behandelt hier in breiter Ausführlich- 
keit eine Scene, die an der entsprechenden Stelle in 
N (139e 47 ff.) fehlt, dagegen N 141c 31 ff. ange- 
deutet ist. Die Königin bricht beim Anblick der 
Leiche ihres Gemahls in die Worte aus: 

„Hai Girbert, con je bien le vos dis 
Que n’alisi&s a Lenz ne el pai's, 

33. A Ludiane qui diex pulst maleir, 

Que mort avi6s son frere Fromondin 
En l’ermitage el moustier benei'. 

36. Je vos dis bien, ja ne revenri6s vis ; 

Trouve l’avez, sire, se poise mi.“ 


N 140c 26 sagt Ludie zu ihrem Sohne: 

„Filz va si tue Girbert li filz Garin 
Qui lasus joue aus esches a Gerin.“ 

y IV erweitert diese beiden Verse: Ludie gibt 
ihrem Sohne genaue Verhaltungsmaßregeln: „Orescoutte 
moy doneque mon anffans!“ [ce dit la dame]. „Prant dez maintenant 
ta bonne espees et t’an vais incontinant lassus en saille! Illec 
trowanreis le roy GJlbert juant aus esches avec ton pere, et 
cy est le roy Gerin et Malvoisin. Et quant tu verrais, ce dit 


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la malvaise femme, qu’il seront plus esmeusös au jeu et qu’il 
ne panseront a toy ny a aultre, alors prant ton espees et en 
donne a Gilbert ung cy grant copt dessus la teste, que tu luy 
espaude la servelle! Et adoucque quant tu airais fait cellay, 
retoume ycy a moy et tu n’ airais gairde de homme qui vive; 
car je te gairentireis bien encontre tous.“ Vigneulle hebt 
hierdurch Ludies Stellung als Urheberin des Ver- 
brechens schärfer hervor. Er benutzt die N 140c 29 ff. 
gegebene Schilderung des Mordes, indem er den ganzen 
Plan der Ausführung desselben als wohl überdachten 
Gedanken Ludies hinstellt. 


N 140c 34 sagt von Loeys: Et eil l’encline qui mot 
ne respondi. 

v IV gibt eine deutliche Erklärung: Le gars fut 
fei et de 8 piteux et ne respondit oneque ung seul mot; car il 
estoit cy plain de malvaise pansee et avec ce estoit tantös du 
diauble et de sa meire, qu’il n’awoit tallans de [rien] dire. 

N 143d 38 ff. antwortet Hernaut den Gesandten 
des Anse'is: 

„Signor,“ dist il, „entendez envers mi! 

Mors est Girbers, sachies, ce poise mi, 

Trover n’en puis menaide ne mercis, 

Se diex m’aist, le euer en ai marri.“ 

v, XIII führt Vigneulle die Antwort weiter aus, 
um die Trauer des Grafen markanter hervorzuheben: 
„Seigneurs“, faict il, „entendes s$a que je veulx dire! Il est vray 
que le roy Gilbert est mort dont dieu (318a) a l’ame, et de- 
quoy il me poise sur ma foy plus que a mille de ces amis, et 
en 89 US sy tres triste et dollans, que j’en meurt d’anuyt. Et 
avec ce en heiz a mort mon filz Löys; car je vous jure dieu et 
mon ame que sur tous les homme du monde il m’en desplait 
merveilleusement. Mais le pire est que moy qui n’en puis may 
ne puis trouver misericorde ne merey, dont sur mon ame j’en 
suis marrit,“ 


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70 


c) Zusätze. 

N 140e 27 : Aus esches joue entre lui et Germs, v Y : 
Car il sout la en hault dedaus la saille ou il joue aus esches 
[et au deis], — 

N 140f 27 : Tieris verläßt Anseis und kehrt 
zum Schlosse zurück, v Y bemerkt dazu: Et l’anf- 
fans demeure illec plain de dueil et de tristesse et menoit la 
plus terrible complainte, qu’il n’y ait [ajourd’uy] cy dur euer 
qui n’eust [heu] pitiet de le öyr. — 

N 14lf 9: Par dien, dan clers, dist li rois Anseys. 
v VIII giebt den Namen des Sekretärs an: „Coment,“ 
[ce dit le roi], „Olris“ ploureis vous? 

N 142e 10 entsendet Ludie nach allen Richtungen 
Boten : 

Si les envoie a Aras a Saint Quentin 
Et a Cambrai et a Douai ausi. 

v XI führt noch andere Gegenden auf: Premier 
eile envoia a Arras et puis a Sainct Quantin; Pune fut envoiee 
a Cambray une a Vallancienne l’autre a Doway. Apr&s en 
renvoia une en Flandres et une a Tournay et les aultres en 
divers päys. — 


Kurze Reflexionen finden sich v III über die 
Unbeständigkeit des jungen Lowis: Helas la bonne opi- 
nion c’il l’eust tenus! Mais [las], il fist comme Pillaite au jngier 
notre seigneur et comme dit la saincte escripture: il le des- 
courpoit de prime faisse et Pescusoit vers les Juif, disant que 
en lui ne trowoit cause de mort, mais touteffois en la fin l’a 
consantis [et le jugeait a tort. Et aincy le fist Lowis . .]. — 

Des öfteren ergreift Vigneulle Partei gegen Ludie. 
V Y : Maintenant lairons ung peu a parier de Ludie a qui dieu 
envoie malle fortune; car par son malvais conseille vint moult 
de malz. Desgl. IY : la faulce femme u. dgl. 

Regelmäßig wiederholt Vigneulle im Beginne 
eines neuen Kapitels die Schlußsätze des vorher^ 
gehenden. — 


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71 


Häufig sind Verweise auf die Quelle, wie: comme 

le mest la vraie istoire, comme mest ce presant acteur 

XIV : mais son nom est obliez ne n’est point troväs escript . . . 
XVII: mais je ne treuve point en escript toutteffois 

comme la vraie cronicqne le met 

Wie genau sich Vigneulle an seine Vorlage ge- 
halten hat, ergiebt sich aus folgendem: 140a 17 spricht 
N vom „l’yawe de Torin“, v giebt an der entsprechen- 
den Stelle des HI. Kap. den Namen des Flusses mit 
„yawe de Sorclin“ wieder. Einige Verse weiter (a23) 
nennt N denselben Fluß „l’iave de Seclin“. v schließt 
sich an der entsprechenden Stelle dieser Bezeichnung an. 


E. Anhang.*) 

Comment le roy Gerin s’en alla en estrange terre 
se tenir en un grant bois et coment ung jour songeoit 
ung songe du roy Gilbert, de Yonnet et de Malvoisin 
(323a), et coment ce temps durant print volunteis a 
Löys de Lans de aller a Collongne veoir Yonnet son 
cousin. 

v XVII: D&8 que la paix fut ainsy faicte, come nous 
avons dict icy devant, et qu’ilz eurent enterreis les mors, prin- 
rent congiäs le ung des aultres et s’en retoumerent arrier 
chacun en son päys. Or vous diray du roy Gerin, quelle voul- 
lunt6 il olt et qu’il fit! Voiant que ce monde n’estoit que 
vanitäs et que l’homme y estoit tous les jours en dangier de 
corps et d’ame, il fut inspiräs de dieu et abandonna terres, pos- 
session et toutte honneurs, et affin de saulver son ame, se des- 
robba de ses gens et s’en alla tont seul en ung estrange päys; 
et estoit celle marche bien lointaine en laquelle il ne fut jamais 
congnus. Puis illec se mit en ung grant bois asses prös de la 
mer et delibera de illec vivre et morir; ne que pour chose 

*) VgL S, 59, Zei\$ 12 ff. 


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72 


qu’il advenit a ses parens, cousins ne amis, promit ledit Gerin 
que jamais ne s’en moaveroit ne ne se melleroit de lenr affaire, 
ains se tenroit si secretement dedans ce bois, qne de nol homme 
il ne seroit congnus; mais je ne treuve point en escript le nom 
dn bois, ne du päys, ou que se fut . . . . (s. S. 58 Zeile 82 ff.) 
Or advint une fois et fut, comme le met l’istoire, par ung mardi 
matin que ledit Gerin luy estant au boix, comme dit est, songea 
ung songe merveilleux, et luy sembloit qu’il estoit a Oollongne 
dessus le Bin, et illec, come il luy estoit advis, veoit le roy 
Gilbert et Yonnet son filz avec Malvoisin et plussieurs aultres. 
Et alors dessus son chief descendit une aigle lequel, comme 
il luy sembloit en songeant, luy conseilloit en l’oreille et 
disoit aincy: „He Gerin, ce disoit l’aigle, demain du matin tu 
te leveras et t’en iras a Collongne la bonne cit6, et illec tu 
trouveras grant noise et grant rumeur et yraiB hairdiment, 
tu ne seras point congnus. Or te m&s doncque en voie, et 
quant tu y serais, tu te metterais, ce dit la vois, entre les 
povres et fains estre povre et mandians, et tu verrais merveille 
advenir.“ Et incontinant aprös ce dit, se despartit l’eigle et 
n’en vit Gerin plus rien; par quoy pour la frayeur qu’il eust 
pour celle Vision il se esveilla et fit le eigne de la croix en sa 
poitrine et sur sa faice. Lors apparut le jour der et beau, si 
se mist ledit Gerin a deux genoulx et fit sa priere a dien, 
disant ainsy: „Mon dien, je te crie mercy! Helas, dit il, mon 
dieu, je congnois que je suis ung grant pecheur, ne jamais bien 
je ne fi, si vous prie par votre benigne graice et par votre 
grant misericorde qu’il vous plaise a moy conforter et aidier, 
et que je puisse, sire, prendre ung si bon conseil que ce soit a 
mon honneur et prouffit.“ Apr6s ce dit, determine ledit Gerin 
qu’il iroit veoir jusques a Collongne, pour s$avoir et veoir, 
quelle chose il y pouroit avoir estös advenus. Et incontinant 
il ce mist au chemin et ne fine d’aller de nuyt ne de jour par 
mons et par plaines, tant qu’il vint [a] Collongne dessus le Bin, 
et illec se mist entre les povres, comme dit est, et ne fut point 
congnus de nullui. Or entendös pour dieu et vous oreis chose 
merveilleu8e et estrainge a raconter, et oyr6s pour quelle cause 
revint la noise et le huttin; car je croy moy que celle aigle qui 
se apparut au roy Gerin fut le diauble ennemis de nature, lequel 
estoit envieulx que celle paix duroit tant, et aussi estoit envieulx de 
la penitence (823b) dudit Gerin; et pour ce luy donna teile illussion, 
comme dit est, et en la manier qu’aväs öys» Or en celluy meyme 


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73 


temps, comme j’ay dit dessus, print volunteis a Lowis, de aller 
a Collongne, visiter son cousin Yonnet, comme il fit, et tant a 
chevaulchiö par ses journees, qu’il arriva en la citA Mais premier 
qu’il fut descendus, vous oreis l’adventure qu’il luy advint! En 
ce meyme jonr qu’il arriva retournoit le joune prince Yonnet 
de la chasse et du gibier, ne ne s$avoit rien de la venue de 
Lowis, et venoit ledit Yonnet darrier ses gens, plus que ung 
archier ne sceut a ung coup tirer, avec aulcuns de ses plus priv^s 
ami8, de quoy la guerre et generalle destruiction lors acomplie 
des noble lignie devent dit; car aincy comme les gens du joune 
prince montoient et vouiloient passer par dessus ung petit pont 
dedans la vilie, vindrent iceulx a rencontrer les gens dudit Lowis, 
et illec pour le passaige et pour la presse des chevaulx et du 
bagaige y olt grant noise entre les ung et les aultres, sans ce, 
comme dit est, qu’ilz se congnussent; ne ne s$avoient pas les 
gens de Yonnet que ce fut Lowis, et tellement les rebouterent, 
que le harnaix et somiers du dit Lowis furent reculles arrier, 
malgrey qu’ilz en eussent. Parquoy illec y olt ung des homes 
audit Lowis lequel se despita et en sa fureur se avansa et re- 
monta dessus le pont tenant l’espee nue a deux mains, de la- 
quelle il donna ung si grant coup dessus la teste a ung des prin- 
cipal officiers dudit Yonnet, qu’il luy fendit en deux moitie. 
Mais jay pour ce ne furent ALlemant esbahis ; car en vangeance 
de cest oultraige y olt illec grant noise et grant hutin, et en 
morurent plussieurs dessus la plaice et d’un cousteit et d’aultre, 
souverainement des gens dudit Lowis. Parquoy, quant il 
vit c’on luy tuoit ainsy ses gens, en fut dollent et courrescie, 
si remonta sur ung grant cheval que on luy menoit et fit tenir 
le sien petit, et alors se referi en la mellee come ung desesperes 
ou comme le loups faict aux berbis, et frappant a dextre et a 
senestre tellement, que illec y olt grosse mellee grant brais et 
grant cris. Alors l’on vint dire a Yonnet lequel venoit d’ arrier, 
coment dessus le pont y avoit ung grant huttin, et estoit ce 
fait par ne s$av quelles gens estrange qui luy avoient tu6s son 
officiers et plussieurs aultres de ses gens. Et quant il en öyt 
les nouvelle8, il fut bien corressiö et dollent et s’en vint cour- 
rant en la mellee, dont guerre de lion en vint; car alors se 
frappa dedans, sans enquerrir quj a droit ne tort, et a sa venue 
y olt grant bruit. Mais en ces entrefaictes y olt ung des homme 
dudit Lowis lequel se partist de ses gens, et secretement c’en 
vint par derrier, et Sans ce qu’il congnut ne ne sceut que se 


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74 


fut Yonnet, il luy vint a donner ung si grant coupt deseus la 
teste, qu’il luy feudit en deux raoitie et l’abatit mort en my la 
plaice tout devant luy. Lors fut grant le cris et le bray, quant 
ilz congnurent leur seigneur mort, sy se sont tous arresteis dessus 
le corps come gens tristes et marris. Alors l’escuier qui avoit 
ce coupt faict fut bien esbahis, quant il vit et congnut que 
c’estoit Yonnet qu’il avoit occis, si s’en vint incontinent a Lowis 
son seigneur et luy dict ainsy. „Sire“, faict il, „pour dieu fouyäs 
vous en et vous mettäs a saulveteis; car j’ay mort et tues le 
noble prince Yonnet, sans ce que je le congnusse aucunement!“ 
„Las, moy dollans“, ce dit (324a) Lowis, „et que pouray je 
devenir? Ha fortune, que tu m’es contraire et parverse! Et les 
piteuses nouvelles qui en vindront a mon chier oncle Germ lequel 
si chierement j’amois! Or a perdus ledit mon oncle et Yonnet 
mon cousin! Helas, ou füyrai je, dollent chetif que je suis? 
He mort prens moy; car plus ne quier a vivre, ains vouldroie 
a ceste heure estre mort et destrenchies !“ Et en disant lez 
motz luy qui estoit bien monteis print a fouyr, ne ne laicha 
de courre, tant que cheval l’en polt pourter, jusques a ung 
grant bois auquelz il se boutta en chevaulchant tonte la nuyt, 
et ainsy par bois et par hayes sans tenir sentier ne voie 
chevaulcha tant qu’il povoit, et menoit molt grant dueil et 
plain[t]es pour l’amour dudit Yonnet son cousin. Et tant ay ledit 
Lowis chevaulchiäs de nuyt et de jour, par montaignes et par 
vallees, qu’il arriva en la citä de Mets par ung matin , et quant 
il fut venus, se logea chiece ung bourgeois, sans ce qu’il se fit 
congnoissant ; car aultrement, [s]’il eust esteis congnus, tout l’or 
du monde ne l’eust pas saulväs ne gairantis, voir, se l’on eust 
seu la verite du faict, qu’il ne fut esteis mort et destrenchiäs. 
Et la plus part de ses gens qu’il lessa a Coilongne furent tuäs 
et mis ec pieces. Mais de luy nous lairons or ung peu le par- 
ier et dirons du roy Gerin lequel pour la mort de Yonnet fit 
grant complainte, come cy apres vous sera dict. 

Des grandes complainctes et lamentacions que 
fit le roy Gerin pour la mort de Yonnet qui ainsy 
povrement avoit este murtris, et coment ilz le firent 
honnorablement enterrer a Sainct Pierre de Coullongne. 
Puis print congie ledit Gerin, et avec son abit incongnus 
s’en vint a Mets en laquelle il trqwoit Lowis et 


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75 


l’occit, puis c’en alloit en teile liu, que oncquez depuis 
on ne le vit. 

v XVIII: Nous lairons ung peu a parier de Lowis pour 
le present et retournerons au roy Gerin lequel, come cy devant 
est estez recitez et dit, estoit a ceste heure a Collongne, quant 
le noble Yonnet y fut ainsy meschaulment murtris. Mais il 
n’y a euer qui peult croire, ne langues qui sceut dire la dolo- 
rouse complainte que le noble roy Gerin fit. „Ha“, dit il, „mon 
tendre enfiant noble en euer et en courraige, la malle fortune 
qui est avenue ycy! Helas, quelle doleur ay je en mon euer, 
moy, qui vous vois si mort gesir! Or jay a dien ne plaise 
qui pour nous mourut en croix que le traistre en demeure 
impugnis; carjamais n’avrai en mon euer joie, tant que de mes 
deux mains propres je l’avrai estrangles et oecis. J’ayme 
mieulx, dit il, que le blame en soit miß dessus moy que dessus 
ung aultre; car il l’ait tropt desservis aussy. La justice en 
apparthient a moy come seigneur du lieu, et non point a 
aultrui. Et ainsy faisant je metteray le päys en paix, et n’y 
avra plus noise ne huttin!“ Apres ce dict, et qu’il eust faict 
plussieurs complainctes, firent ceulx de Collongne prendre le 
corps du joune prince et le firent pourter a la grant esglise de 
Sainct Pierre. La nuyt fut veillie sellon la coustume avec grans 
pleur et lamentacion et aucy avec grant luminaire, et illec y 
olt plussieurs relligieolx, abbes, prieurs, moines et convers disant 
vigilles et souffraiges toute la nuyt, jusques que le jour apparut 
beau et cler ; lequel venus firent enterrer le noble prince en ung 
riche sepulchre et monument (824 b', come a son estat apparte- 
noit. Et en ce faisant y olt grans pleurs et plains de la royne 
sa maraistre et de ses gens et amis et especiallement dudit Gerin 
lequel en fit plussieurs laraentacions et plaintes qui troups longues 
seroient a raconter. Puis ce faict ont prins le Chevalier de 
Lowis qui avoit donnes le coupt, et d’icelluy ont fait une 
griefve et cruelle justice. Alors apräs ce faict se mist le dit 
Gerin en voye a son retour en tirant droit devers Mets, et en 
allant son chemin menassoit tr6s fort ledit Lowis. Or fit tant 
par ses journees en passant bourgs et villaiges, que a Mets 
arriva par ung jour de vandredi; et quant il fut la venus, s’en 
alla parmei la ville d’un lieu en aultre et en abis dissimuleis 
et incongnus tellement, que en cheminant parmei les rue il a 
trouves ledit Lowis lequel estoit alors seullet en la court en 


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chtöce son hoste, qui affaitoit ung bean cheval en (!) lni aplai- 
nioit le col et la poitrine. Et da plus tost qa’il le vit et aper- 
ceust, il regarda entour de luy qu’il n’y eust persona e et c’on 
ne le vit, et alors qu’il ne vit personne, se se print a crier et 
dit: „Ha vassal, que dien te puisse mauldire! Mais dis moi 
larron traistre, porquoy ait tu mors et tues le gentil Yonnet, 
puis que la paix estoit faicte de toy et de luy? Et jay a dien 
ne plaise que tu en puisse eschapper vif!“ Et alors apr&s ce 
dit se feit congnoissant ledit Gerin. „Je suis“, faict il, „Gerin 
qui fit la paix de toy et de luy, mais jay a dien ne plaise que 
tu en demeure impugnis, malvais traistre que tn 6s! De male 
mort puissent tu morir; car jamais de toy ne de ta merre bien 
ne vint!“ Et aprez plussieurs aultre parolle qu’ il luy olt dit, 
lesqnelles seroient troup longues a raconter, et tont en parlant 
a lui, il baulsa son bourdon du quel il donna nng si grant et 
lourd coups audit Lowis, qu’il Pabatit mort estendus tout de- 
vant lui. Et incontinant ce faict, il monta sur le cheval que le- 
dit Lowis tenoit, et aincy monteis s’en vint au grant moustier 
de Mets et la trouva plussieurs bourgeois de la cyte ausqnelx 
il conta et dit tout le faict, enthierement depuis le commen- 
cement jusques a la fin. Premierement leur dit, coment ledit 
Lowis avoit tu6s en trahison le roy Gilbert, et toutte la guerre 
que a Poccasion de ce se avoit ensuit, et les maulx qui en estoi- 
ent advenus, come cy devant av6s öy. „Et pour ce“, dit il, 
J’en a (!) faict la paix et en a (!) tu6s le dit Lowis, mon cousin. 
Altes le voir, dit Gerin; car vous le tronverös illec mort esten- 
dus auprfcs du mur de la court en son lougis. Je suis, dit il, 
Gerin, filz au duc Baigue de Bellin qui enmaine son bon che- 
val, et me veulx trasporter en ung aultre päys. Pour ce je 
vous prie ou nom de dien qui pour nous en croix pendit que 
tout maintenant prenäs le corps du dit Lowis, et soit enterreis 
et mis a Saint Arnoulf hors des porte — laquelle eglise ce ap- 
pelloit en ce temps Peglise des apostre — tout aupr6s le noble 
duc Hervei; et ce faict mandez a Ays en Gascongne querir le 
corps du roy Gilbert lequel pareillement soit enterreis audit 
lieu des apostre et illec mis et enfouys. Et moy, fait il, je 
prendrai le cheval et m’en retourneray arrier au boix dont je 
suis partis, pour servir a dieu, affinque de mez pechiez ayes 
mercit; car ainsy je l’ay vouez et promis, et a (!) deliberez (325a) 
de n’en bougir jamais, tant que par mort de moy soit la fin.“ 
Lors apres ce dict print congie d’eulx tous et les commanda 


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a dieu la eite et tont le pftys, ei pieque le cheval des esprons 
et fit tant par ses jonmees en chevaulchant par mons et par 
vaulx, qu’il est revenus dont il estoit partis, ne jamais plns 
n’en öyt on nouveües bonnes ne malvaise, corne l’ütoire le met 
et le dict. Et ainsy doncqne faillit la grant lignie et le grant 
paraige qni procedoit da dac Hervei et aassi celle de Herdre, 
de Fromont de Lans et de Fromondin son filz, lesqnelles deux 
lignees por bien peu d’occasion sont vennes en grant confasion 
et se sont mis Tang l’aatre a fin, comme il voos ait par cy 
devant asses estez desclairez et dict. Et ponr ce avise a tous 
prince et seignenr que bien ce doit on garder de follie entre- 
prendre; car la fin en est dangerense et malvaise et n’en peult 
nul bien venir. Dieu par sa misericorde et infinie bont6 aye 
des trespasses merey et vuelle tous garder de encheoir en telz 
dangier et peril! Amen. 



(TV 


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Lebenslauf. 


Am 9. November 1879 wurde ich, Karl Jahn, evangel. 
Bekenntnisses, zu Wandsbeck in Holstein geboren. Da mein 
Vater im nächsten Jahre in bremische Staatsdienste übertrat, 
in denen er als Lehrer an der städtischen Seemaschinistenschule 
zu Bremerhaven tätig ist, erhielt ich meine Schulbildung anf 
den Realgymnasien zu Bremerhaven und Vegesack a. d. Weser. 
Letzteres verließ ich Ostern 1898 mit dem Zeugnis der Reife. 
Neuere Sprachen studierte ich 3 Semester lang in Marburg, 
ging dann auf 1 Semester nach Berlin, darauf nach Göttingen, 
wo ich wiederum 3 Semester hindurch verweilte. Mich. 1901 
kam ich nach Greifswald und bestand am 8. Dezember 1902 
das examen rigorosum. 

Meine akademischen Lehrer, bei denen ich Vorlesungen 
hörte, bezw. an deren Seminaren und Übungen ich teilnahm, 
waren : 

Marburg: 

Brandi, Doutrepont, Koschwitz, Köster, Kretschmar, Kühnemann, 
Oldenberg, Rathgen, Schroeder, Tilley, Vietor, Wrede. 
Berlin: 

Brandi, Harsley, Pariselle, E. Schmidt, Schultz-Gora, Tobler, 

Weinhold. 

Göttingen: 

Baumann, Heyne, Morsbach, Roethe, Stimming, Wentzel. 
Greifswald: 

Heuckenkamp, Konrath, Lovel, Reifferscheid, Schuppe, Stengel. 

Allen meinen verehrten Herren Lehrern sage ich für die 
Anregungen, die sie mir für meine Studien gegeben haben, 
meinen verbindlichsten Dank. In erster Linie fühle ich mich 
Herrn Prof. Dr. E. Stengel verpflichtet. Genanntem Herrn 
verdanke ich nicht allein die Anregung und Förderung der 
vorliegenden Arbeit, sondern er stellte mir auch in liebens- 
würdigster Weise das erforderliche Material zur Verfügung. 


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Thesen. 


I. 

Die Erklärung des altfranzösischen estuet esto- 
voir = stüpere ist zu verwerfen. 

II. 

Die neuere Erklärung des italienischen niente aus 
ne -|- gent ist nicht beizubehalten. 

III. 

Die Benutzung der True Tragedy von Seiten 
Shakespeares ist durch die von George Bosworth 
Churchill dafür angegebenen Beweisgründe zur Gewiß- 
heit erhoben. 



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